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Musizieren am Sonntag / Feiertag oder am Abend erlaubt? (Mietrecht)

Klavier, Klarinette, Flöte oder Gitarre, wer das Musizieren lernen will braucht viel Übung — selbst wenn das manchmal zum Leidwesen der Nachbarn geschieht. Wohnt man in einer Mietwohnung darf man regelmäßig bis zu drei Stunden täglich über, solange man sich im Übrigen an die Ruhezeiten hält. Doch was ist, wenn man als Hobby- oder Berufsmusiker nur am Abend, am Wochenende oder Feiertags Zeit hat, um zu musizieren. Welche Regeln gelten für das Musizieren am Sonntag/ Feiertag oder am Abend?

Der nachfolgende Artikel erklärt was Musiker am Sonntag/Feiertag oder am Abend zu beachten haben.

I. Musizieren am Sonntag oder Feiertag erlaubt?

Nein, jedenfalls nicht, wenn die Musik lauter als Zimmerlautstärke ist. Es gibt eine allgemeine ganztägige Sonntags- und Feiertagsruhe. Das bedeutet alle lärmenden Tätigkeiten sind am Sonntag und am Feiertag verboten.

Festgehalten ist das bereits meist im Mietvertrag oder der Hausordnung. Darüber  hinaus gibt es aber auch das Sonn- und Feiertagsgesetz und örtliche Bestimmungen, nach denen sonntags und feiertags immer ganztägig Ruhe zu halten ist. Ganztägig heißt von  0:00 Uhr morgens bis 24:00 Uhr nachts. Alles Wichtige rund um das Thema lesen Sie hier: Sonntagsruhe im Mietrecht – Was müssen Mieter wissen?

II. Musizieren am Abend erlaubt?

Jein. Entscheidend ist die Uhrzeit, denn das Musizieren außerhalb der Ruhzeiten ist in einem gewissen Rahmen erlaubt.

Musizieren ist grds. ein sozialübliches Verhalten. Daher ist auch das Musizieren in den eigenen vier Wänden eine vertragsgemäße Nutzung der Mietwohnung, die sowohl von den benachbarten Mietern als auch dem Vermieter zu akzeptieren ist.

Mieter sollten für das Musizieren am Abend einen Blick in die Hausordnung werfen und in dem Mietvertrag nachlesen, ab wann abends die Ruhezeiten beginnen. Oft ist dort eine Nachtruhe zwischen 22:00 Uhr abends und 6:00 Uhr / 7:00 Uhr morgens geregelt.

Spielt man nach 22:00 Uhr noch Musik, gelten die Regelungen zu den Ruhezeiten: Während der Ruhezeiten darf man nicht Musizieren, wenn die eigene Musik lauter als Zimmerlautstärke ist. Bei Musik die nicht über die  Zimmerlautstärke, gibt es keine Einschränkungen.  Übt man also z.B.  mit speziellen Kopfhörern darf man auch die ganze Nacht hindurch musizieren.

Musizieren am Abend vor 22:00 Uhr ist hingegen meist erlaubt, da die Nachtruhe üblicherweise noch nicht begonnen hat. Die eigene Musik darf dann also auch die Grenze der Zimmerlautstärke überschreiten — allerdings nur im Rahmen des Gebots der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das heißt, man muss beim Musizieren in einem Mietshaus immer auch auf seine Nachbarn Rücksicht nehmen, und darf sie durch das eigene Musizieren nicht in einer unzumutbaren Weise belasten. Was unzumutbar ist, ist dabei je nach Einzelfall unterschiedlich: Maßgeblich sind die Art des Instruments, die Dauer des Musizierens und die Art der Bewohner des Mietshauses (LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 17.09.1991, Az.: 13 S 5296/90; BGH, Beschluss vom 10.09.1998, Az.: V ZB 11/98). Zwei bis drei Stunden musizieren sind meist noch im Rahmen.

Weitere Informationen zum Thema bekommen Sie hier: Musizieren in Mietwohnung – Was dürfen Mieter und was nicht?

III. Fazit und Zusammenfassung

Das Musizieren ist am Sonntag und am Feiertag, dann nicht erlaubt, wenn die Musik Zimmerlautstärke übersteigt. Das gleiche gilt für das Musizieren am Abend nach  22:00 Uhr. Im Übrigen ist Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen und ein unzumutbare Störung zu vermeiden.

Störungen am Sonntag, am Feiertag oder am Abend während der Ruhzeiten können  zur mietrechtlichen Abmahnung und sogar Kündigung führen: Ruhezeiten in der Mietwohnung? Was tun bei Ruhestörungen (z.B. Musik oder Partys)

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