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Musizieren in Mietwohnung – Was dürfen Mieter und was nicht?

Die meisten Menschen hören gerne Musik. Lernt der Nachbar aber gerade Trompete, Klavier oder Flöte ist man meist wenig begeistert. Sich immer wieder wiederholende Tonleitern und falsche Töne können dann schnell zum störenden Krach werden. Doch, wie hat man sich als aufstrebender Hobbymusiker in den eigenen vier Wänden am Besten zu verhalten? Ganz verboten werden kann das eigene Musizieren ja schließlich nicht. Für Mieter hilft bei solchen Fragen immer der Blick in den Mietvertrag und die Hausordnung, denn grundsätzlich gilt, das Musizieren außerhalb der Ruhzeiten in einem gewissen Rahmen erlaubt ist.

Welche Grenzen steckt das Mietrecht für das Musizieren in der Mietwohnung? Gibt es Unterschiede bei den Instrumenten oder wenn der Mieter hauptberuflich Musiker ist?

I. Musizieren außerhalb der Ruhezeiten

Macht man selber gerne Musik, darf das in den eigenen vier Wänden genauso wenig verboten werden, wie wenn man Musik hört. Spielt man auf einem Instrument gehört das zum sozial üblichen Verhalten und ist Teil des akzeptablen Wohnverhaltens. Geht die Geräuschkulisse nicht über Zimmerlautstärke hinaus, gibt es für das Musizieren in der Mietwohnung keine Einschränkungen.

Jede Art von Musik einschließlich der selbst gespielten, die über Zimmerlautstärke hinaus geht ist erlaubt, wenn man außerhalb der Ruhzeiten und nicht unzumutbar Musik macht.

1. Ruhezeiten

Während der Ruhezeiten gilt jede Art von Lärm, der die Zimmerlautstärke übersteigt als Störung. Das gilt für das Hören von Musik, das Musizieren und das Singen.

Spielt man auf seinem Instrument muss man die Ruhzeiten des Hauses beachten. Bei Mietwohnung gelten neben der allgemeinen ganztägigen Sonntags- und Feiertagsruhe, die Ruhezeiten, die in der Hausordnung oder im Mietvertrag selbst angeordnet sind. Meist regelt die Hausordnung eine Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr und eine Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr vor. Teilweise gibt es auch samstags Ruhezeiten.

2. Begrenzung auf maximal drei Stunden

Hält man sich an die Ruhezeit erhält man aber trotzdem keinen Freifahrtschein bei lauteren Instrumenten. So darf man zum Beispiel auch nicht unbegrenzt und ganztägig auf seinem Instrument spielen. Man muss sich vielmehr im Rahmen des Zumutbaren halten. Spielt man zu lange, kann die dauerhafte Musik für andere Mieter zur unzumutbaren Lärmbelästigung werden.

Einen einheitlichen Zeitrahmen dafür, wie lange man musizieren darf, gibt es nicht. Die Gerichte urteilen je nach Instrument und Mietshaus unterschiedlich: Je nachdem, ob es sich um ein Wohnhaus mit vielen Senioren oder eher junge Leute handelt und was gespielt wird – Schlagzeug, Trompete, Klavier oder Flöte – kann ein die zulässige Spielzeit kürzer oder länger sein (LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 17.09.1991, Az.: 13 S 5296/90; BGH, Beschluss vom 10.09.1998, Az.: V ZB 11/98).

Im Durchschnitt gilt ein Musizieren von 2-3 Stunden am Stück aber regelmäßig als zumutbar (OLG Hamm, Entscheidung vom 10.11.1980, Az.: 15 W 122/80; LG Frankfurt, Urteil vom 12. 10. 1989, Az.: 2/25 O 359/89).

II. Musizieren während der Ruhezeiten

Während der Ruhezeiten, wie zum Beispiel sonntags darf man nur in Zimmerlautstärke musizieren. Ist das aufgrund der Art des Instruments nicht möglich, bleibt nur die Möglichkeit das Musikzimmer mit entsprechenden Schallschutzeinrichtungen auszubauen oder Kopfhörer zu verwenden. Anderenfalls ist während der Ruhezeiten auf das Musikmachen zu verzichten. Jede Störung während der Ruhzeiten kann zu einer mietrechtlichen Abmahnung führen, wie in diesem Beitrag gezeigt wird: Ruhezeiten in der Mietwohnung? Was tun bei Ruhestörungen (z.B. Musik oder Partys).

Hält man sich nicht an die Ruhzeiten und übt regelmäßig auch an Sonntagen auf seinem Instrument kann das im äußersten Fall zu einer Kündigung führen.

III. Haben Berufsmusiker besondere Rechte beim Üben in der Mietwohnung

Ist man Berufsmusiker oder Musikstudent will beziehungsweise muss man selbstverständlich mehr mit seinem Instrument über als ein Hobbymusiker. Nichts desto trotz hat man aber in der eigenen Mietwohnung keine besonderen Rechte für länger Übungszeiten. Es gelten die gleichen Regelungen wie für alle anderen Mieter auch. Das bedeutet, bei jeder Art des Musizierens, dass über die Zimmerlautstärke hinausgeht, sind die Ruhezeiten und eine angemessene Dauer zu beachten.

Selbst wenn man Musikunterricht in den eigenen vier Wänden geben will, ändert das nichts. Hier ist sogar zu beachten, dass das ohne Erlaubnis des Vermieters als eine unzulässige Gewerbeausübung gilt. Die Mietwohnung ist nämlich in erster Linie Wohnraum und kein Gewerberaum in dem ohne Einschränkung einer beruflichen Tätigkeit nachgegangen werden kann. Will man als Musiklehrer Unterricht in einer Mietwohnung geben, braucht man die Genehmigung des Vermieters. Daneben empfiehlt sich in dem Mietvertrag eine besondere Vereinbarung zu treffen, wann und wie lange musiziert werden darf, damit der rechtliche Rahmen für das erlaubte Musizieren klar ist.

IV. Zusammenfassung

Das Musizieren in Zimmerlautstärke ist unproblematisch. Bei Musik und Instrumenten die lauter sind, hat man sich als Mieter an die Ruhezeiten zu halten. Eine maximale Spielzeit von mehr als drei Stunden am Stück sollte dabei nicht überschritten werden. Ausnahmen für Berufsmusiker oder Musiklehrer gibt es nicht. Will man häufiger und länger musizieren, muss das in dem Mietvertrag vom Vermieter erlaubt sein.

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