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Hundegebell in der Nachbarwohnung – Was tun als Mieter?

Vormittags, mittags und abends – ständiges Gebell aus der Nachbarwohnung. Ihr benachbarter Mieter gegenüber oder nebenan besitzt einen Hund der Ihnen den Schlaf raubt? Das Gebell des Nachbarhundes mach Sie verrückt? Ganz klar- gefallen lassen müssen Sie sich das nicht! Wenn das Gebell eines Hundes zu einer dauerhaften Beeinträchtigung Ihres Mietgebrauchs führt, dann kann dies sogar zu einem Mietminderungsanspruch führen. Der Vermieter muss in solchen Fällen informiert werden, damit er Ihren Nachbarn darauf hinweisen kann, dass er das Gebell des Hundes einstellen muss. Ihr Nachbar ist gehalten dem dauerhaften Hundegebell Einhalt zu geben.

Sie sollten bei so einem Problem auf jeden Fall, nicht nur mit dem benachbarten Mieter, sondern insbesondere mit dem Vermieter Kontakt aufnehmen, um die Belästigung einzustellen. Nachfolgend wird Ihnen aufgezeigt, wie Sie Schritt für Schritt gegen Hundegebell aus der Nachbarwohnung vorgehen können.

I. Vorgehen bei Hundegebell in der Nachbarwohnung

Auch wenn man sich seine Nachbarn in dem Mietshaus nicht ausgesucht hat, ist das oberste Gebot doch gegenseitige Rücksichtnahme, um das Zusammenleben in einem Haus so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein Hundebesitzer sollte daher, dafür sorgen das andere Hausbesitzer nicht durch andauerndes Gebell belästigt werden.

1. Schritt: Gehen Sie zu Ihrem Nachbarn und machen Sie Ihn auf die Belästigung durch das Hundegebell aufmerksam

Wenn Sie Hundegebell aus der Nachbarwohnung belästigt, dann führt der erste Schritt zur Wohnungstür des Nachbarn. Schildern Sie Ihr Anliegen möglichst sachlich und bitten Sie um Abhilfe. Ist Ihr Nachbar eher uneinsichtig und das Verhältnis zu den benachbarten Hundebesitzern angespannt, dann ist dieser erste Schritt nicht sehr empfehlenswert. Hier sollte direkt mit dem zweiten Schritt begonnen werden, der auch anonym erfolgen kann.

2. Schritt: Führen Sie ein Lärmprotokoll

Das Hundegebell aus der Nachbarwohnung sollte unbedingt protokolliert werden. Dies dient zum einen Nachweiszwecken und der Feststellung der Erheblichkeit der Beeinträchtigung, den gelegentliches Bellen, wird gewöhnlich als hinnehmbar einzustufen sein. Ein solches Lärmprotokoll dient insbesondere gegenüber dem Vermieter zur Begründung der Beeinträchtigung des Mietgebrauchs und sollte daher die Länge des Hundegebells und die Uhrzeit festhalten.

Hinweis: Wann gilt ein Hundegebell als Lärmbelästigung?

Ein dauerhaftes Bellen über einen Gesamtzeitraum von einer halben Stunde täglich, ist der Nachbarschaft nicht zuzumuten (OLG Hamm, Urteil vom 11. April 1988, Az.: 22 u 265/87). Dies gilt insbesondere zu den Ruhe- und Nachtzeiten von 21:00 bis 7:00 Uhr, sowie zur Mittagszeit als auch an Sonn- und Feiertagen (OLG Hamm, Urteil vom 16.11.1989, Az.: 22 U 249/89). Bellt der Hund dagegen nur kurz ist das außerhalb des Einflussbereichs des Hundebesitzers und daher zumutbar.

3. Schritt: Zeigen Sie bei Ihrem Vermieter die Belästigung an

Wenn Sie ein aussagekräftiges Lärmprotokoll (von mindestens 2 Wochen) erstellt haben, dann zeigen Sie Ihrem Vermieter die Lärmbelästigung, die aus der Nachbarwohnung kommt an und verlangen Sie unter Fristsetzung, dass er Abhilfe schafft. Dies ist Voraussetzung für einen möglichen Minderungsanspruch (vgl. Schritt 4).

Die Mängelanzeige wegen Hundegebell könnten Sie beispielsweise wie folgt formulieren:

Absender

(…)

Ort, Datum

(…,…)

Anschrift des Vermieters

(…)

Mängelanzeige. Hundegebell aus der Nachbarwohnung

Sehr geehrte/r Frau/Herr (…),

hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich durch ständigen Lärm durch Hundegebell aus der Nachbarwohnung des/der (…) belästigt werde. Der Nachbarhund bellt unzumutbar viel zu den Tageszeiten von (…) Uhr bis (…) und zu den Nachtzeiten von mindestens insgesamt ½ Stunde/1 Stunde/ mehrmals mindestens 10 min etc. am Tag.

– Hierzu auch das beigelegte Lärmprotokoll –

Mein Mietgebrauch ist daher sehr beeinträchtigt und ich bitte Sie bis zum (…)

– angemessener Zeitraum bis zu dem der Vermieter für Abhilfe sorgen soll-

dafür zu sorgen, dass das Hundegebell in der Nachbarwohnung bis zu einem zumutbaren Niveau eingestellt wird.

Falls dies nicht möglich ist, sehe ich mich gehalten die Miete entsprechend zu mindern.

Mit freundlichen Grüßen

(…)

4. Schritt: Mindern Sie die Miete bei erheblicher Beeinträchtigung und Ihr Vermieter wird handeln

Erst wenn Ihnen nach der Mängelanzeige mit Lärmprotokoll nicht durch den Vermieter geholfen wird, sind Sie berechtigt die Miete wegen Hundegebell aus der Nachbarwohnung zu mindern (BGH, Urteil vom 20. Juni 2012, Az.: VIII ZR 268/11). Die Minderungsquote entspricht dabei der Minderung wegen Ruhestörung von 5%-10%.

Hinweis: Anspruch des Vermieters bei Mietminderung wegen Hundegebell

Ihr Vermieter kann den Schaden, der Ihm durch Ihre Mietminderung entsteht, von dem Hundehalter der die Lärmbelästigung verursacht im Rahmen der Störerhaftung ersetzt verlangen (AG Köln, Entscheidung vom 04.04.2001, Az.: 130 C 275/00; AG Hamburg, Urteil vom 06.03.2005, Az.: 49 C 165/05). Zudem kann er als Druckmittel auf die Möglichkeit des Widerrufs der Tierhaltungserlaubnis bis hin zur Kündigungsmöglichkeit hinweisen, für den Fall, dass die Tierhaltung nicht störungsfrei verläuft. Lesen Sie hierzu auch: „Widerruf der Tierhaltung in Mietwohnung – Vorlage für Vermieter“ und „Kündigung wegen Tierhaltung in Mietwohnung möglich?„.

II. Exkurs: Hundegebell als Lärmbelästigung bei Eigentumswohnungen

Wenn es Sich um ein Gebäude mit vermieteten Eigentumswohnung handelt, ist Ihr Anspruchsgegner

  • wenn Sie selbst Eigentümer Ihrer Wohnung sind, der Eigentümer der Nachbarwohnung, egal ob entweder als Vermieter oder als Bewohner.
  • wenn Sie Mieter einer Eigentumswohnung sind, Ihr Vermieter, wie unter I. .

Auch als Eigentümer der Wohnung ist es wichtig ein entsprechendes Lärmprotokoll zu erstellen. Bringen Sie Ihr Anliegen vor die Eigentümerversammlung.

Je nachdem ergeben sich für Sie Schadensersatzansprüche aufgrund der Vereinbarungen der Hausordnung oder der Gemeinschaftsordnung oder auch allgemein aus dem Eigentum. Nach § 1004 BGB haben Sie gegen Störer Ihres Eigentums wegen Lärmbelästigung einen Unterlassungs- und Schadensersatzanspruch. Selbiges gilt für Hauseigentümer.

III. Zusammenfassung

Hundegebell in der Nachbarwohnung stellt eine nicht hinzunehmende Lärmbelästigung dar, die dem betroffenen Mieter einen Anspruch auf Mietminderung gewährt. Dauerndes Hundegebell ist eine erhebliche Ruhstörung.

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