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WG-Mietvertrag kündigen – (Ein Mieter kündigt oder alle Mieter kündigen)

Wohngemeinschaften erfreuen sich vor allem unter Studenten oder Auszubildenden großer Beliebtheit. Das WG-Leben ist in der Regel kostengünstig und ermöglicht soziale Kontakte. So harmonisch das Zusammenleben in der WG auch sein mag, zeigt sich dessen Nachteil häufig dann, wenn ein WG -Mitglied ausziehen und den Mietvertrag kündigen möchte, während die übrigen die WG fortsetzen möchten.

Welche Probleme sich hier ergeben können und welche Möglichkeiten der Vertragsgestaltung es gibt, durch die Streit und Probleme zwischen den WG-Mitgliedern von vornherein verhindert werden können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

I. Drei Möglichkeiten der Vertragsgestaltung

Es gibt grds. drei unterschiedliche Möglichkeiten, wie das Zusammenleben von WG-Mitgliedern vertraglich ausgestaltet werden kann. Welche der drei Alternativen gewählt wird, ist ganz entscheidend für die spätere Möglichkeit eines einzelnen WG-Mitglieds, aus der WG auszuscheiden. Aus diesem Grund sollen in diesem Abschnitt die verschiedenen Formen der Vertragsgestaltung vorab dargestellt werden, bevor anschließend auf die Kündigungsmöglichkeiten eingegangen wird (siehe dazu unter II.). In einem dritten Abschnitt (III.) wird außerdem erörtert, welche Alternaive zur Kündigung es gibt, die es ermöglicht, aus einer WG auszuscheiden.

1. Alle WG-Mitglieder sind gemeinsam Hauptmieter

Ein WG – Mietvertrag kann so ausgestaltet werden, dass alle WG-Mitglieder gemeinsam Hauptmieter sind. Jedes WG-Mietglied schließt in diesem Fall denselben Mietvertrag zusammen mit den jeweils anderen WG-Mitgliedern unmittelbar mit dem Vermieter ab und steht zu diesem in einer vertraglichen Beziehung.

Für die Möglichkeit eines späteren Austausches eines WG-Mitgliedes gegen ein anderes (vgl. dazu die Ausführungen unter III.) ist es von entscheidender Bedeutung, ob es für den Vermieter erkennbar ist, dass er den Vertrag mit einer Wohngemeinschaft, d.h. mit einer Mehrheit von Personen abschließt, die keine persönliche Bindung haben und deren alleiniger Zweck das gemeinsame Wohnen ist.

2. Ein WG-Mitglied ist Hauptmieter und die anderen sind Untermieter

Eine andere Möglichkeit der Vertragsgestaltung besteht darin, dass nur ein WG-Mitglied Hauptmieter ist und die übrigen Untermieter sind. In diesem Fall besteht eine vertragliche Beziehung zwischen dem Hauptmieter und dem Vermieter auf der einen und eine vertragliche Beziehung zwischen dem Hauptmieter und den übrigen WG-Mitgliedern, denen der Hauptmieter die Wohnung untervermietet hat, auf der anderen Seite. Der Hauptmieter ist zugleich Mieter und Vermieter, und zwar Untervermieter. Vertragliche Beziehungen bestehen zwischen dem Hauptvermieter und dem Hauptmieter und zwischen dem Hauptmieter in seiner Eigenschaft als Untervermieter und den Untermietern. Zwischen dem Hauptvermieter und den Untermietern besteht keine vertragliche Beziehung.

3. Jedes WG-Mitglied ist selbständiger Hauptmieter

Eine weitere, eher selten anzutreffende Form der rechtlichen Gestaltung ist folgende: Jedes WG-Mitglied schließt einen eigenständigen Mietvertrag mit dem Vermieter ab. Die WG-Mitglieder sind nicht gemeinsam Mieter. Ihre Mietverhältnisse bestehen getrennt voneinander. Da dies nur möglich ist, wenn die Mietobjekte der einzelnen Verträge nicht identisch sind, werden durch diese Art der Vertragsgestaltung in der Regel nur einzelne Zimmer innerhalb der Wohnung vermietet. Die einzigen Räume, die an alle WG-Mitglieder zur gemeinschaftlichen Mitbenutzung vermietet sind, sind Gemeinschaftseinrichtungen, wie z.B. Küche und Bad. Die WG-Mitglieder sind in diesem Fall nicht rechtlich miteinander verbunden, und zwar weder als Mitmieter auf der Mieterseite noch im Verhältnis Hauptmieter bzw. Untervermieter – Untermieter. Es bestehen nur vertragliche Beziehungen zwischen jedem einzelnen WG-Mitglied und dem Vermieter und damit so viele Mietverträge wie es WG-Mitglieder gibt.

4. Mischformen

Unter Zf.1 bis Zf. 3 wurden die Grundtypen möglicher Vertragsgestaltung dargestellt. Selbstverständlich muss nicht zwangsläufig ausschließlich eine der Varianten gewählt werden. Auch Mischformen sind möglich. Denkbar ist z.B., dass nicht nur ein WG-Mitglied Hauptmieter und alle übrigen WG-Mitglieder Untermieter sind, sondern dass mehrere WG-Mitglieder Hauptmieter und die übrigen ggf. auch nur ein WG-Mitglied Untermieter sind bzw. ist (Kombination aus Variante 1 und 2). Auch eine Kombination aus Variante 1 und 3 ist möglich, wenn z.B. ein größeres Zimmer an zwei oder mehrere WG-Mitglieder gemeinschaftlich vermietet wird. Ebenso denkbar ist es, dass im Falle einer Untervermietung nicht (ausschließlich) getrennte Verträge mit jeweils einem Untermieter geschlossen werden, sondern dass auf der Seite der Untermieter mehrere Untermieter den Untermietvertrag gemeinsam schließen.

Bei der nachfolgenden Darstellung der Kündigungsmöglichkeiten werden diese Mischformen weitgehend außer acht gelassen.

II: Die Kündigungsmöglichkeiten in Abhängigkeit von der vertraglichen Ausgestaltung

1. Alle WG-Mitglieder sind Hauptmieter

Haben die Parteien die Form der Vertragsgestaltung gewählt, bei der alle WG-Mitglieder Hauptmieter ein und desselben Mietvertrages sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Streit und Problemen kommt, wenn ein einziges WG-Mitglied oder einzelne WG-Mitglieder, aber nicht alle WG-Mitglieder das Mietverhältnis beenden möchten, am größten. Dies hat folgenden Grund.

Sind an einem Mietvertrag auf der Mieterseite mehrere Personen beteiligt, kann das Mietverhältnis nur gekündigt werden, wenn alle Mieter die Kündigung erklären. Eine Kündigung nur eines oder einzelner Mitmieter mit der Folge, dass nur dieser bzw. diese aus dem Mietverhältnis ausscheiden, während das Mietverhältnis mit dem bzw. den anderen Mitmietern fortbesteht, ist nicht möglich. Möchte nun aber nur ein WG-Mitglied oder möchten nur einzelne WG-Mitglieder das Mietverhältnis kündigen, können sie ihr Ziel ohne die Mitwirkung der übrigen WG -Mitglieder, und zwar auch derer, die das Mietverhältnis fortsetzen möchten, nicht erreichen.

Dass der einzelne Mitmieter bzw. das einzelne WG-Mitglied auf die Mitwirkung der anderen bei der Kündigung angewiesen ist, bedeutet allerdings nicht, dass die Beendigung des Mietverhältnisses durch Kündigung für ihn gänzlich unmöglich ist. In der Regel hat nämlich jeder einzelne von mehreren Mietern gegen die übrigen Mieter einen Anspruch, der darauf gerichtet ist, dass diese an der Kündigung mitwirken, d.h. ebenfalls die Kündigung aussprechen (vgl. LG Hamburg, Urteil vom 12.11.1992 – 332 O 338/92).

Die Kündigungsfrist beträgt gem. § 573c Abs.1 S.1 BGB drei Monate.

Auch wenn dem einzelnen Mieter ein Anspruch auf Mitwirkung an der Kündigung gegen die übrigen Mieter zusteht, führt diese Art der Vertragsgestaltung, bei der alle WG-Mitglieder gemeinsam Hauptmieter sind, zu erheblichen Schwierigkeiten, wenn die übrigen WG-Mitglieder die Mitwirkung verweigern. In diesem Fall bleibt demjenigen WG-Mitglied, das das Mietverhältnis beenden möchte, nur die Möglichkeit, die übrigen WG-Mitglieder auf Abgabe ihrer Kündigungserklärungen zu verklagen. Mit der Rechtskraft des der Klage stattgebenden Urteils gelten die Erklärungen gem. § 894 ZPO als abgegeben.

Trotz dieser Problematik und des oft vorprogrammierten Streits, wird diese Form der Vertragsgestaltung nicht selten gewählt und zwar deshalb, weil sie für den Vermieter, der oft am längeren Hebel sitzt und die vertragliche Ausgestaltung vorgibt, insbesondere deshalb sehr günstig ist, wenn er einen ständigen Mieterwechsel vermeiden möchte. Auch die Tatsache, dass alle WG-Mitglieder gesamtschuldnerisch für die gesamte Miete haften und der Vermieter daher die gesamte Miete von jedem in voller Höhe (insgesamt selbstverständlich nur einmal) verlangen kann, macht diese Art der Vertragsgestaltung für Vermieter sehr attraktiv (zur gesamtschuldnerischen Haftung mehrerer Mieter vgl. unseren Beitrag: „Gemeinsamer Mietvertrag: Mieter haften für Mietrückstände gesamtschuldnerisch“).

Beachte: Wurde der Mietvertrag mit der nach außen in Erscheinung tretenden Wohngemeinschaft als solcher abgeschlossen, ist ein Austausch nur eines oder einzelner WG-Mitglieder grds. möglich (siehe dazu die Ausführungen unten unter III).)

Weitere Einzelheiten zur Kündigung eines Mietvertrages, an dem mehrere Mieter als Hauptmieter beteiligt sind, erfahren Sie in unserem Beitrag: „Kündigung eines gemeinsamen Mietvertrages (mehrere Mieter).“

2. Ein WG-Mitglied ist Hauptmieter und die anderen sind Untermieter

Hat nur ein WG-Mitglied die Wohnung von dem (Haupt-) Vermieter angemietet und Teile der Wohnung jeweils mit getrennten Verträgen an Untermieter untervermietet, kann jeder Untermieter seinen Mietvertrag mit dem Hauptmieter bzw. Untervermieter, ohne auf die Mitwirkung der anderen Untermieter angewiesen zu sein, ohne Grund unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist des § 573c Abs.1 S.1 BGB ordentlich kündigen. Dies gilt allerdings nur, wenn jeweils nur ein Untermieter am jeweiligen Untermietvertrag beteiligt ist. Schließen mehrere Untermieter den Untermietvertrag gemeinsam ab, weil sie sich z.B. ein Zimmer teilen möchten, gleicht die Problematik der unter II.1. beschriebenen Konstellation. Zu Schwierigkeiten kann es in diesem Fall daher kommen, wenn nur einer von mehreren Untermietern den Untermietvertrag kündigen möchte. Auch hier hat jeder Untermieter gegen den bzw. die anderen einen Anspruch auf Mitwirkung an der Kündigung.

Auch der alleinige Hauptmieter kann das Hauptmietverhältnis jederzeit unter Einhaltung der Dreimonatsfrist des § 573c Abs.1 S.1 BGB ordentlich kündigen, ohne hierfür einen besonderen Grund haben zu müssen. Zu beachten ist hierbei aber, dass durch die Beendigung des Hauptmietverhältnisses zwischen dem Hauptmieter und dem Hauptvermieter nicht automatisch auch die Untermietverhältnisse enden. Das Ende der Untermietverhältnisse muss der Hauptmieter im Falle der Beendigung des Hauptmietverhältnisses aber herbeiführen, da der Vermieter am Mietende gem. § 546 BGB die Räumung und Rückgabe der gesamten Wohnung, und nicht nur der vom dem Hauptmieter selbst bewohnten Teile verlangen kann.

Grds. haben Vermieter es zwar schwer, das Mietverhältnis einseitig zu beenden, da sie hierfür in der Regel ein berechtigtes Interesse i. S. d. § 573 BGB benötigen, wozu nicht die Beendigung des Hauptmietverhältnisses zählt. Bewohnt der Hauptmieter, der zugleich Untervermieter ist, die Wohnung allerdings selbst, kommt er in den Genuss des Sonderkündigungsrechts aus § 573a Abs.2 BGB, wonach der Vermieter ein Mietverhältnis über Wohnraum innerhalb der von ihm selbst bewohnten Wohnung ordentlich kündigen kann, ohne dass es eines berechtigten Interesses im Sinne des § 573 BGB bedarf. In diesem Fall verlängert sich allerdings die für die ordentliche Kündigung des Vermieters an sich geltende Kündigungsfrist, die in Abhängigkeit von der Dauer des Mietverhältnisses drei, sechs oder neun Monate beträgt, um weitere drei Monate, so dass sie im äußersten Fall zwölf Monate betragen kann.

Alle wichtigen Informationen zu dem Sonderkündigungsrecht des Vermieters aus § 573a Abs.2 BGB erhalten Sie in unserem Beitrag: „Möblierter Wohnraum: Kündigungsrecht und Kündigungsfrist“.

Auf das Sonderkündigungsrecht aus § 573a Abs.2 BGB sollte der Vermieter- zumindest dann, wenn er das Untermietverhältnis möglichst schnell beenden möchte- allerdings in Anbetracht der um drei Monate verlängerten Kündigungsfrist nur zurückgreifen, wenn er kein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Unermietverhältnisses i. S. d. § 573 BGB hat. Liegt ein solches vor, was z.B. der Fall sei kann, wenn der Hauptmieter bei fortbestehendem Hauptmietverhältnis die untervermieteten Räume selbst oder für einen Angehörigen i. S. d. § 573 Abs.2 Nr.2 BGB benötigt (Eigenbedarf), sollte er seine Kündigung auf § 573 Abs.2 Nr.2 BGB stützen.

Wichtig: Hat der Hauptmieter, der die Wohnung selbst bewohnt, die untervermieteten Räume nach dem Untermietvertrag überwiegend mit Einrichtungsgegenständen auszustatten, ist die Kündigung sowohl für den Hauptmieter in seiner Eigenschaft als Untervermieter als auch für den Untermieter gem. § 573c Abs.3 BGB zum Ende eines jeden Monats zulässig, wenn das Kündigungsschreiben dem jeweils anderen spätestens am 15. desselben Monats zugeht, vorausgesetzt der untervermietete Wohnraum ist dem Untermieter nicht zum dauernden Gebrauch mit seiner Familie oder mit Personen überlassen ist, mit denen er einen auf Dauer angelegten gemeinsamen Haushalt führt.

3. Jedes WG-Mitglied ist selbständiger Hauptmieter

Ist jedes WG-Mitglied selbständiger Hauptmieter, kann er sein Mietverhältnis mit dem Vermieter jederzeit unabhängig davon kündigen, ob die Mietverhältnisse zwischen den übrigen WG-Mitgliedern und dem Vermieter fortbestehen oder nicht. Die jeweiligen Mietverhältnisse sind getrennt voneinander zu behandeln. Kein WG-Mitglied ist auf die Mitwirkung der anderen angewiesen. Hierdurch unterscheidet sich diese Form der Vertragsgestaltung entscheidend von der unter I.1. beschriebenen, bei der alle WG-Mitglieder kündigen müssen, auch wenn nur einer von ihnen ausziehen möchte.

Die Kündigungsfrist ergibt sich auch hier in der Regel aus § 573c Abs.1 S.1 BGB und beträgt drei Monate. Wohnt der Vermieter allerdings selbst mit in der Wohnung, kann auch bei dieser Konstellation gem. § 573c Abs.3 BGB spätestens am 15. eines Monats zum Monatsende gekündigt werden, wenn die vermieteten Zimmer laut Mietvertrag überwiegend mit Einrichtungsgegenständen auszustatten sind und der Wohnraum dem Mieter nicht zum dauernden Gebrauch mit seiner Familie oder mit Personen überlassen ist, mit denen er einen auf Dauer angelegten gemeinsamen Haushalt führt.

III. Alternative zur Kündigung: Vertragliche Vereinbarung- Zustimmungspflicht des Vermieters bei Vermietung an WG

Die Kündigung ist zwar die häufigste Art der Beendigung eines Mietverhältnisses, aber keinesfalls die einzige. Es besteht stets die Möglichkeit, durch vertragliche Vereinbarungen mietrechtliche Beziehungen zu beenden bzw. abzuändern. Sind an einem Mietvertrag insbesondere auf der Mieterseite mehrere Personen beteiligt, kann z.B. durch einen Mietaufhebungsvertrag nicht nur das gesamte Mietverhältnis mit sämtlichen Mietern beendet werden, sondern auch einzelne Mieter aus dem Vertrag entlassen werden, während das Mietverhältnis mit den übrigen fortgesetzt wird. Möglich ist es darüber hinaus sogar zu vereinbaren, dass anstelle des ausgeschiedenen Mieters eine andere Person in das Mietverhältnis eintritt (Mieterwechsel). Zum wirksamen Abschluss eines solchen Aufhebungs- oder Änderungsvertrages bedarf es allerdings stets eines Einverständnisses aller Beteiligten. Möchte also nur ein WG-Mitglied aus dem Vertrag ausscheiden, müssen der Vermieter, aber auch die übrigen WG-Mitglieder zustimmen. Tritt ein neues WG-Mitglied an die Stelle des ausscheidenden WG-Mitglieds, ist neben der Zustimmung des Vermieters und derjenigen der verbleibenden WG-Mitglieder selbstverständlich auch das Einverständnis des neuen WG-Mitglieds nötig.

Probleme ergeben sich in erster Linie dann, wenn der Vermieter dem Ausscheiden nur eines WG-Mitgliedes oder dem Eintritt eines neuen nicht zustimmt.

Grds. ist ein Vermieter weder verpflichtet, dem Ausscheiden eines einzelnen Mieters zuzustimmen, noch sich damit einverstanden zu erklären, dass ein neuer Mieter an dessen Stelle tritt, es sei denn, der Mietvertrag sieht etwas anderes vor.

Eine wichtige Ausnahme von diesem Grundsatz macht die Rechtsprechung allerdings für den Austausch eines WG-Mitglieds in den Fällen, in denen die Wohnung nicht an die einzelnen WG -Mitglieder, sondern an die nach außen als solche in Erscheinung tretende Wohngemeinschaft als solche vermietet wurde. In einem solchen Fall entspricht es dem Vertragsinhalt, dass Mitglieder der Gemeinschaft ihre Entlassung aus dem Vertrag vom Vermieter verlangen können und dass zumutbare Personen anstelle der Ausscheidenden als neue Mieter in den Vertrag eintreten (vgl. LG Frankfurt, Urteil vom 02.10. 1990 – 2/11 S 208/90). In diesen Fällen bedarf es zwar ebenfalls einer Zustimmung des Vermieters. Der Vermieter kann aber nicht frei entscheiden, ob er seine Zustimmung erteilt, sondern ist hierzu grds. verpflichtet (vgl. LG Berlin, Urteil vom 28.08.2013 – 65 S 78/13), und zwar selbst dann, wenn dies nicht im Mietvertrag vereinbart ist (vgl. LG Hamburg, Urteil vom 10.08.1995 – 334 S 38/95). Begründet wird diese Zustimmungspflicht des Vermieters damit, dass dem Vermieter, der einen Mietvertrag mit einer Wohngemeinschaft abschließt, klar sein muss, dass die Gemeinschaft aufgrund möglicher Wohnsitzwechsel oder aus anderen Gründen, z. B. im Zusammenhang mit einer Ausbildung oder dem Studium nicht auf Dauer angelegt ist.

Dass die Wohngemeinschaft von dem Vermieter die Zustimmung verlangen kann, bedeutet allerdings nicht, dass diese entbehrlich ist. Erteilt der Vermieter die Zustimmung nicht freiwillig, muss diese notfalls im Klagewege erstritten werden und gilt gem. § 894 ZPO mit der Rechtskraft des der Klage stattgebenden Urteils als erteilt.

Beachte:

Eine Verweigerung der Zustimmung ist auch bei einer Vermietung an eine Wohngemeinschaft möglich, wenn sachliche, in der Person des Nachfolgers liegende Gründe vorliegen (vgl. LG Hannover, Beschluss vom 21.12.1977 – 11 S 382/77) bzw. der Eintritt eines neuen Mieters für den Vermieter nicht zumutbar ist (vgl. LG Hamburg, Urteil vom 10.08.1995 – 334 S 38/95).

Wichtig:

Die Vermietung an eine „Wohngemeinschaft“, d.h. an eine Mehrheit von Personen, die keine persönliche Bindung haben und deren alleiniger Zweck das gemeinsame Wohnen ist, muss – sei es auch stillschweigend- Vertragsinhalt geworden sein.

IV. Fazit und Zusammenfassung

1. Wohnen mehrere Mieter in einer Wohnung als Wohngemeinschaft zusammen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der vertraglichen Gestaltung, und zwar folgende:

  • alle WG – Mitglieder sind gemeinsam Hauptmieter,
  • ein WG- Mitglied ist Hauptmieter und die anderen dessen Untermieter,
  • alle WG- Mitglieder sind selbständige Hauptmieter einzelner Zimmer.

2. Die Möglichkeit der Kündigung richtet sich danach, welche der unter Zf. 1 genannten Formen der vertraglichen Ausgestaltung vorliegt. Dabei gilt:

  • Sind alle WG – Mitglieder gemeinsam Hauptmieter, kann das Mietverhältnis durch Kündigung nur beendet werden, wenn alle WG-Mitglieder diese erklären. Jedes WG-Mitglied hat grds. gegen die anderen einen Anspruch auf Mitwirkung an der Kündigung. Das Ausscheiden nur eines WG-Mitglieds ggf. gegen Eintritt eines neuen ist nur möglich, wenn alle Beteiligten sich einverstanden erklären. Erfolgte die Vermietung an die „Wohngemeinschaft“ als solche, ist der Vermieter in der Regel verpflichtet, seine Zustimmung zu erteilen, es sei denn, der Eintritt eines neuen Mieters anstelle des alten ist für ihn nicht zumutbar.
  • Ist ein WG-Mitglied Hauptmieter und die anderen selbständige Untermieter je eines Teils der Wohnung, kann der Hauptmieter gegenüber dem (Haupt-) Vermieter und jeder Untermieter gegenüber dem Hauptmieter, der zugleich Untervermieter ist, das Mietverhältnis ohne Angabe von Gründen und ohne auf die Mitwirkung der anderen angewiesen zu sein, ordentlich unter Einhaltung der Dreimonatsfrist des § 573c Abs.1 S.1 BGB kündigen. Für die Kündigung der Untermietverhältnisse kann sich die Kündigungsfrist unter den Voraussetzungen des § 573c Abs.3 BGB verkürzen.
  • Haben alle WG-Mitglieder mit dem Vermieter selbständige Mietverträge als Hauptmieter geschlossen, ist die ordentliche Kündigung ebenfalls unabhängig davon, ob auch die anderen WG-Mitglieder kündigen, jederzeit unter Einhaltung der Dreimonatsfrist des § 573c Abs.1 S.1 BGB möglich.

16 Antworten auf "WG-Mietvertrag kündigen – (Ein Mieter kündigt oder alle Mieter kündigen)"

  • Christoph
    22.11.2016 - 22:57 Antworten

    Hallo zusammen,

    wir (5 Personen) haben einen Mietvertrag indem wir alle gemeinsam als Hauptmieter genannt sind.

    Es besteht die mündliche Vereinbarung zum einen zwischen den Vermietern und auch allen Bewohnern der WG, dass im Falle eines Wechsels der jeweilige Bewohner sich um einen Nachmieter kümmert.

    Folgende Kriterien wurden hierzu vereinbart:
    – unbefristeten Mietvertrag
    – berufstätig

    Nun wurden bereits 6 potentielle Mieter die diesen Kriterien entsprochen den übrigen Bewohnern vorgestellt.

    Nachträglich haben die übrigen Bewohner sich entschieden das Kriterium einer weiblichen Nachmieterin hinzugefügt und deswegen ohne Zustimmung des Verantwortlichen Bewohner den Interessenten abgesagt.

    Somit ist das vorzeitige Ausscheiden trotz Erfüllung aller erforderlichen Bedingungen nicht mehr möglich.

    Hat der Bewohner der ausziehen möchte aufgrund der ursprünglichen Vereinbarung die Möglichkeit analog dem Vermieter gegenüber, trotzdem aus der Wohngemeinschaft auszuziehen und aufgrund der Tatsache, dass es 5 passende Nachmieter gegeben hätte die übrigen Bewohner zur Zahlung seiner Miete zu verpflichten?

    Danke + Grüße

  • Valentina Robisch
    08.08.2017 - 13:32 Antworten

    Hallo,

    ich bin gerade auf der Suche nach einer Nachmieterin in meiner 4 – Mädls WG! Wenn ich eine passende junge Frau gefunden habe, die dann statt mir in der WG ist, wird einfach nur der Name im Mietvertrag ausgetauscht? Bzw muss ich hier zwar ein Kündigungsschreiben an den Markler schicken, aber es besteht keine dreimonatige Kündigungsfrist, da ja nur der Name der Person geändert wird. Oder wie schaut das genau aus?

    Liebe Grüße!

  • Biene
    19.10.2017 - 14:47 Antworten

    Hallo ich habe folgende Frage:

    Es geht um eine Wohngemeinschaft aus 2 Hauptmietern. Einer der Hauptmieter ist schon länger in der Wohnung und hat den Vertrag in welchem der aktuelle 2. Hauptmieter aufgenommen wurde nicht unterschrieben.

    1. Frage: ist dieser Mieterwechsel trotzdem wirksam?

    2. Frage: Ist es im Falle einer Kündigung möglich, dass ein Hauptmieter kündigt mit der schriftlich hinzugefügten Einverständniserklärung des 2. Hauptmieters, dass dieser weiterhin Hauptmieter bleibt und der andere aus dem Mietverhältnis ausscheidet?

    3. Frage: der eine Hauptmieter hat bereits eine neue Wohnung und will dringend aus der Wohngemeinschaft ausscheiden. Gibt es da eine Chance?

    Vielen Dank!

  • K. Schneider
    14.12.2017 - 12:52 Antworten

    Sehr geehrter Herr Hundt,

    Ich wohne seit 4 Jahren in einer WG, die von einer Vermietungsgesellschaft verwaltet wird. Wir sind alle gemeinsam in einem unbefristeten Vertrag für die gesamte Miete verantwortlich. Hier im Haus wohnen ausschließlich WGs und in meiner Zeit hier haben schon zahlreiche Mieterwechsel stattgefunden. Dies konnte jeweils unproblematisch durch sogenannte Vertragsübertragungen geschehen : ein Mieter wurde aus dem Vertrag entlassen, während ein neuer eingefügt wurde.
    Nun möchte ich ausziehen, und alles ging gut, bis ich heute die Dokumente zugeschickt bekam und gesehen habe, dass nun eine pauschale Bearbeitungsgebühr für den Verwaltungsaufwand erhoben wird, der durch den Mieterwechsel entsteht.
    Auf Nachfrage wurde dies mit dem hohen Aufwand begründet, den dieses Vorgehen für die Vermietungsgesellschaft bedeute.

    Im Vorhinein wurde mir diese Gebühr nicht mitgeteilt, aber ich habe auch noch nichts unterschrieben.
    Die zuständige Sachbearbeiterin meinte, die Alternative sei, dass alle Mieter kündigen und ausziehen müssten. Und dass es nur an der Kulanz der Vermietungsgesellschaft liege, dass ich gegen Gebühr ausscheiden dürfe.

    Haben die damit recht, oder gelten andere Regeln, da wir hier als WG leben?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    • Mietrecht.org
      14.12.2017 - 13:17 Antworten

      Hallo K. Schneider,

      ob Sie als WG oder z.B. als Paar in einer gemeinsamen Wohnungen leben hat keinen besonderen rechtlichen Einfluss. Ich finde die Regelung mit einer Bearbeitungsgebühr auch grundsätzlich fair.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Marcus Spitz
    28.12.2017 - 09:23 Antworten

    Hallo folgende Sachlage:

    Vor knapp 2 Jahren gründete ich mit einem Freund eine WG. Wir sind beide als Hauptmieter im Vertrag festgehalten. Jetzt möchte mein Mitbewohner aus beruflichen Gründen ausziehen. Mündlich wurde dies mit dem Vermieter schon vor ca 2 Monaten kommuniziert, da der Zeitpunkt des Auszuges nicht genau feststand. Es wurde aber nicht schriftlich festgehalten. Es liegt also keine Kündigung vor.

    Ich möchte gerne in der Wohnung bleiben. Mein Vermieter möchte jetzt kurzfristig innerhalb eines Monates den Vertrag mit uns Beiden auflösen, da er die Wohnung renovieren möchte. Für meinen Mitbewohner ist das kein Problem soweit, aber ich soll mir jetzt innerhalb eines Monats eine neue Bleibe suchen.

    Wie sieht es mit einer Kündigungsfrist in diesem Fall aus bzw. bin ich nun gezwungen auszuziehen und mir in diesem kurzen Zeitraum etwas neues zu suchen?

    • Mietrecht.org
      28.12.2017 - 16:19 Antworten

      Hallo Marcus,

      wenn Sie als Mieter kündigen wollen, dann geht das nur gemeinsam. Wenn der Vermieter kündigt, muss das natürlich schriftlich und begründet sein.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Julia B
    09.01.2018 - 17:01 Antworten

    Sehr geehrter Herr Hundt,

    Bei mir ist es folgende Sachlage:

    Ich bin derzeit alleiniger Hauptmieter einer WG mit insg. 5 Bewohnern.
    Ich werde nun seit geraumer Zeit von einem meiner Mitbewohner gelegentlich beleidigt und beschimpft. Die Situation ist für die ganze WG nicht tragbar, und ich leide bereits unter massiven gesundheitlichen Problemen dadurch. Soweit ich mich informiert habe, muss ich, wenn ich ihm kündige mit 6 Monaten rechnen, stimmt das? Gibt es keine andere Möglichkeit wie § 573 a Absatz 2 ?

    Ich wäre für eine Antwort sehr dankbar, da es sehr schwer ist in dieser mieter-vermieterrolle hilfe zu bekommen.

    • Mietrecht.org
      09.01.2018 - 22:08 Antworten

      Hallo Julia,

      wenn Sie alle Möglichkeiten prüfen lassen wollen, könnten Sie das z.B. hier tun.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Alexander
    06.03.2018 - 15:24 Antworten

    Hallo Herr Hundt,

    ich habe zusammen mit meinen Arbeitskollegen eine WG, wir stehen beide als gemeinsame Mieter eingetragen.
    Mein Mitbewohner soll/ will jetzt ausziehen, im beidseitigen Einverständnis natürlich.
    Ich möchte stattdessen zunächst noch in der Wohnung bleiben.

    Ist es möglich meinen Mitbewohner aus den Mietvertrag zu nehmen, sodass ich alleiniger Mieter bin, ohne dass sich das Mietverhältnis an sich ändert?
    Ich möchte keinen Neuvertrag, da ich sonst von der Vermieterseite wieder 1 Jahr Mindestvertragslaufzeit aufgebrummt bekomme.

    Meinen Vermieter konnte ich dazu leider noch nicht befragen.
    Ich hoffe Sie haben ein paar Tipps für mich :)

    • Mietrecht.org
      07.03.2018 - 07:53 Antworten

      Hallo Alexander,

      das geht, der Vermieter muss dem aber zustimmen.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Hildegard Hausen
    11.03.2018 - 20:52 Antworten

    Hallo,
    ich brauche dringend Antwort. Mein Sohn ist am 1.3. in eine 4er WG gezogen, 2 Maedels, 2 Jungs. Urplötzlich ist ein Maedel nun sehr kurzfristig nach 4woechiger Mietdauer ausgezogen u. setzt die übrigen 3 unter Druck, ihren Mietanteil bis 15.3. zu uebernehmen u. einen von ihr vorgeschlagenen Nachmieter zu akzeptieren. Mietinteressenten, die die übrigen 3 gefunden haben, haben abgesagt, da diese keinen Abschlag fuer Bett pp. zahlen wollten. Kann man so kurzfristig aus WG ausziehen u. den übrigen 3 (alle haften gesamtschuldnerisch) den Mietanteil aufbrummen?

  • Anita
    20.06.2018 - 14:39 Antworten

    Hallo,

    mein Sohn hatte mit seiner Freundin die Wohnung deren Vaters angemietet (zwei getrennte Mietverträge), nachdem die Beziehung in die Brüche ging, zieht mein Sohn nun aus und die Tochter verbleibt in der Wohnung. Kann der Vermieter Renovierungsansprüche geltend machen?

    Viele Grüße

    • Mietrecht.org
      22.06.2018 - 09:35 Antworten

      Hallo Anita,

      wenn Ihr Sohn austritt, dann übernimmt in der Regel der verbleibende Mieter eine mögliche Renovierungspflicht. Wenn beide Mieter kündigen, dann muss die Wohnung vertragsgemäß übergeben werden.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

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