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Heizen und Lüften = Mieterpflicht? Wir zeigen was Mieter machen müssen

Wer hat noch nicht davon gehört, das man als Mieter immer richtig Heizen und Lüften sollte. Doch, was heißt das eigentlich? Zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung ist es wichtig, sich als Mieter einmal mit der erforderlichen Lüftung und Beheizung der Mietwohnung auseinanderzusetzen. Vergisst man nämlich, bei Frostbeginn die Heizung aufzudrehen, riskiert man als Mieter einen Rohrbruch, für den der Vermieter einen verantwortlich machen kann. Lüftet man die Wohnung nicht regelmäßig, muss man für die Schäden durch Schimmel und Co. aufkommen. In welchem Umfang zu lüften und zu heizen ist – und was die Konsequenzen sind, wenn der Mieter diese Pflichten nicht regelmäßig erfüllt, wird unterschiedlich beurteilt. Lesen Sie hier, was es für Mieter zu beachten gibt.

I. Richtiges Heizen und Lüften ist Mieterpflicht

Mieter haben neben der Zahlung der Miete und der Nebenkosten für die Mietwohnung auch eine Sorgfaltspflicht bezüglich der Mietwohnung. So hat der Mieter Sorge dafür zu tragen, dass der vertragsgemäße Gebrauch der Mietwohnung erhalten bleibt, nach §§ 541, 543 Abs.2 S. 1 Nr. 2 BGB. Die Wohnung muss also auch nach dem Mieter noch bewohnbar sein. Alle Arten von Beschädigungen der Mietwohnung sind zu vermeiden und Gefahren abzuwenden. Das Gesetz spricht hier nicht nur von einer Erhaltungs- sondern auch Obhutspflicht (§ 563 c BGB) des Mieters.

Als Mieter muss man daher bei Gefahren von Feuchtigkeitsschäden, wie Schimmelbildung, die zu einer Verschlechterung des Wohnklimas und des Mauerwerks führen können, dafür sorgen, dass alles erdenklich Mögliche unternommen wird, um diese zu vermeiden. Das gleiche gilt für Schäden die durch Vereisung von Rohren oder dem Auskühlen des Mauerwerks und Frost entstehen können (wie Leitungs- und Rohrbruch).

Zur Vermeidung dieser Schäden hat der Mieter tatsächlich die Pflicht ordnungsgemäß zu lüften und zu heizen

1. Richtig und ausreichend Lüften

Es kommt für das richtige Lüften darauf an das ausreichend und dem Haustyp entsprechend gelüftet wird. Desto besser die Isolierung ist, desto öfter ist eine Lüftung des Hauses oder der Wohnung notwendig. Am effektivsten ist dabei eine tägliche Stoßlüftung, der einzelnen Räume und zu jeder Jahreszeit.

Je nach Bauart und Alter des Hauses kann es sogar sein, dass der Vermieter bereits Erfahrungen mit der notwendigen Lüftungsart hat und Hinweise gibt (oder auch auf Nachfrage geben kann). So kann es in extremen Fällen sogar notwendig sein, dass der Mieter aufgrund der baulichen Beschaffenheit und bekannten Vorfällen von Schimmel sehr häufig, wie in jedem Raum 2-3 mal bei geöffnetem Fenster 10-15 Minuten lüften muss (AG Hannover WuM 2005, 767).

Eine „Lüftung“ nur mittels Kippfenster und hinter geschlossenen Gardinen reicht nicht und ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung eines objektiven Dritten ein völlig ungenügendes und unübliches Lüftungsverhalten (AG Hannover WuM 2005, 767).

2. Richtiges Heizen

Beim richtigen Heizen ist es natürlich jedermanns Geschmackssache, wie warm man es im Winter haben möchte. Maßgeblich ist vielmehr das die Wohnung oder das Mietshaus nicht auskühlen sollte. Beim Heizen sollte darauf geachtet werden die Heizung auch bei Abwesenheit tagsüber nie ganz abzustellen. Fährt man über die kalten Wintertage in den warmen Süden, sollte die Heizung wenigstens auf der Mindeststufe (oder Frostschutz) an bleiben.

II. Kündigung wegen falschem Lüften und Heizen?

Verletzt der Mieter seine Sorgfalts- und Obhutspflicht durch ungenügendes Lüften oder Heizen kann das im Einzelfall als Kündigungsgrund ausreichen. Schäden, die nämlich durch Vernachlässigung der Mietwohnung entstehen, gelten als vom Mieter verursacht. Ignoriert ein Mieter darüber hinaus auch Abmahnungen, die sich auf sein vernachlässigendes Wohnverhalten beziehen, kann dies im Schadensfall ein Indiz für eine besonders hohe Gleichgültigkeit und eine fristlose Kündigung rechtfertigen (vgl. Sternel in: Sternel, Mietrecht aktuell, 4. Kündigung wegen Gefährdung der Mietsache und unberechtigter Drittüberlassung Rn. 7).

1. Kündigung wegen ungenügendem Lüften

Wenn der Mieter durch ungenügendes und unübliches Lüftungsverhalten eine massive Schimmelpilz- und Feuchtigkeitsbildung in der Wohnung verursacht hat und dadurch die Mietsache in erheblichem Maße gefährdet und beschädigt kann eine fristlose Kündigung möglich sein (vgl. Sternel in: Sternel, Mietrecht aktuell, 4. Kündigung wegen Gefährdung der Mietsache und unberechtigter Drittüberlassung Rn. 7). Eine ordentliche Kündigung greift nach erfolgloser Abmahnung ebenfalls.

Wenn dem Vermieter aber die andauernden Feuchtigkeitsprobleme und die damit verbundene Schimmelbildung bereits seit geraumer Zeit (LG Siegen WuM 2006, 158: über 3 Jahre) bekannt waren und der diese, ohne irgendein Anzeichen kündigen zu wollen, hingenommen hat, ist dies kein Kündigungsgrund (vgl. Sternel in: Sternel, Mietrecht aktuell, 4. Kündigung wegen Gefährdung der Mietsache und unberechtigter Drittüberlassung Rn. 7).

2. Kündigung wegen mangelndem Heizen

Sobald eine Wohnung für einen gewissen Zeitraum (etwa wegen Urlaub, Auslandaufenthalt, Umzug) leer steht, darf das Heizen an den kalten Tagen nicht vernachlässigt werden. Wenn nämlich Schäden durch eingefrorene und geplatzte Wasserleitungen entstehen, weil der Mieter nicht geheizt hat, liegt eine Verletzung der Mieterpflicht vor. Eine ordentliche Kündigung (wegen schuldhafter Pflichtverletzung nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB) kann nach erfolgloser Abmahnung gerechtfertigt sein (LG Görlitz WuM 1994, 668; LG Hagen DWW 2008, 180; Sternel in: Sternel, Mietrecht aktuell, 4. Kündigung wegen Gefährdung der Mietsache und unberechtigter Drittüberlassung, Rn. 106).

IV. Fazit

Die Pflicht des Mieters die Mietwohnung in einem vertragsgemäßen Zustand zu halten und ausreichen zu lüften und zu heizen sollte von Mietern daher nicht unterschätzt werden. Es ist eine mietvertragliche Pflicht Schadengefahren von der Mietwohnung abzuwenden. Soweit das durch ein richtiges Lüftungs- und Heizverhalten getan werden kann, ist der Mieter hier in der Verantwortung.

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