Go to Top

Neuen Mietvertrag bei Vermieterwechsel abschließen?

Ein Vermieterwechsel heißt nicht immer gleich einen neuen Mietvertrag abschließen zu müssen. Ganz nach dem Motto „Kauf bricht nicht Miete“ aus § 566 BGB, ändert der Vermieterwechsel durch den Verkauf des Mietshauses oder der Eigentumswohnung nichts an dem Mietvertrag. Als Mieter können Sie sich nach wie vor auf alle Rechte aus dem Mietvertrag berufen. Es ändert sich nur der Vermieter. In der Praxis werden aber aus verschiedenen Gründen gerne auch neue Mietverträge gemacht, Pflicht ist das aber nicht. Es gibt verschiedene Vor- und Nachteile bei einem neuen Mietvertrag die jeder Mieter bedenken sollte.

Auf welche Punkte zu achten ist, wenn Sie bei einem Vermieterwechsel einen neuen Mietvertrag abschließen wollen erfahren Sie in diesem Artikel. Auch hier gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

I. Ein neuer Vermieter kann keinen neuen Mietvertrag verlangen

Nach § 566 BGB entsteht kraft Gesetz ein neues Mietverhältnis zwischen dem neuen Vermieter und dem Mieter. Die Besonderheit ist, dass der Inhalt des alten Mietverhältnisses bestehen bleibt. Alles was vorher Verkauf der Mietwohnung /des Mietshauses mit dem alten Vermieter vereinbart wurde gilt auch mit dem neuen. Das bezieht sich sowohl auf die Guten als auch auf die schlechten Dinge. Hat ein Mieter die Miete gegenüber dem alten Vermieter wirksam gemindert, muss er dies nicht noch einmal gegenüber dem neuen Vermieter tun. Hat sich der alte Vermieter zu Reparaturen oder der Gewährung von Sondernutzungsrechten oder ähnlichem verpflichtet, kann sich der Mieter auch gegenüber dem neuen Vermieter auf diese Verpflichtungen berufen (BGH NJW 06, 696 und 1800).

Ein neuer Mietvertrag muss daher bei Vermieterwechsel nach den gesetzlichen Regelungen nicht geschlossen werden.

II. Pro und Contra bei Vermieterwechsel und neuen Mietvertrag

Ganz nach der individuellen Fallgestaltung zeigen sich in der Praxis immer wieder Fälle, bei denen ein neuer Mietvertrag empfehlenswert ist und andere Fälle, bei denen das nicht ist.

Diese Dinge sprechen gegen einen neuen Mietvertrag bei Vermieterwechsel:

  • Gerade bei sehr langen Mietverträge führen neue Mietverträge zu einer Verkürzung der Kündigungsfrist; die Mindestfrist ist drei Monate, bei Verträgen mit einer Dauer von mehr als 8 Jahren 9 Monate. In manchen alten Verträgen sind auch Unkündbarkeitsklauseln vereinbart.
  • Bei besonders günstiger Miete im Altvertrag: Gefahr der Mieterhöhung mit neuem Vertrag
  • Insgesamt Gefahr der Abwälzung neuer Belastungen (auch durch Korrektur unwirksamer Klauseln im alten Mietvertrag).

Diese Dinge sprechen für einen neuen Mietvertrag bei Vermieterwechsel:

  • Bessere Konditionen bei Mietzinszahlungen oder Renovierungspflichten
  • Alter Vertrag bestand noch nicht lange (keine Gefahr der Verkürzung der Kündigungsfrist)

III. Zusammenfassung: Vergleichen Sie den neuen Mietvertrag mit dem alten!

Die Entscheidung einen neuen Mietvertrag bei einem Vermieterwechsel abzuschließen, sollte immer gut durchdacht sein. Einzelne Klauseln sollten geprüft werden und die daraus resultierenden Vorteile gegen die Nachteile abgewogen werden. Zahlen Sie bald weniger Mieter müssen aber dafür auf Recht und günstige Kündigungsfristen verzichten; entfällt ein Kündigungsschutz oder ein Wohnrecht? Gerade, wenn es um die mietrechtliche Absicherung und solche Themen der Vertragsgestaltung geht, verlassen Sie sich am besten nicht nur auf ihr Bauchgefühl, sondern bedienen sich im Zweifel anwaltlicher Hilfe. Auch bei Fragen nur zu einzelnen Klausel können Sie schnell rechtssichere Auskunft erhalten und werden nicht durch eine falsche Entscheidung in die Falle gelockt. Gehen Sie auf Nummer sicher.

17 Antworten auf "Neuen Mietvertrag bei Vermieterwechsel abschließen?"

  • Anita Ristau
    09.08.2020 - 13:28 Antworten

    „Gerade bei sehr langen Mietverträge führen neue Mietverträge zu einer Verkürzung der Kündigungsfrist; die Mindestfrist ist drei Monate, bei Verträgen mit einer Dauer von mehr als 8 Jahren 9 Monate.“

    Das stimmt nicht. Denn die Kündigungsfrist für Vermieter richtet sich nach der Wohndauer.

    § 573c Abs. 1 Satz 2:

    Die Kündigungsfrist für den Vermieter verlängert sich nach fünf und acht Jahren seit der Überlassung des Wohnraums um jeweils drei Monate.

    • Mietrecht.org
      10.08.2020 - 06:38 Antworten

      Hallo Anita,

      genau so ist es.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Robert
    09.09.2020 - 07:51 Antworten

    Wir wohnen jetzt seit 12 Jahren in einer Wohnung. Jetzt hat vor paar Monaten ein Eige ntümerwechsel stattgefunden. Er hat der Formalitäthalber einen aktuellen Mietvertrag mit aktuellem Datum aufgesetzt.
    Nach dem durchlesen ist auch soweit alles OK gegenüber dem alten Vertrag. Hab also so kein Problem diesen zu unterschreiben, auch wenn ich es nicht müsste.

    Die einzige Frage ist:

    Ändert sich hierdurch die Kündigungsfrist, bzw. wird die wieder auf 3 Monate anstatt den 9 Monaten oder mehr gesetzt? Schätze ihn allerdings nicht so ein, dass er wegen Eigenbedarf kündigt. Hat selbst ein Haus.

    Vielen Dank

    • Mietrecht.org
      10.09.2020 - 11:39 Antworten

      Hallo Robert,

      als Mieter ist ein neuer Vertrag selten vorteilhaft. Ich würde i.d.R. empfehlen beim alten Vertrag zu bleiben.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Raya
    01.12.2020 - 17:13 Antworten

    Dazu noch eine Frage.

    Wenn das Haus an verkauft wird und der neue Vermieter einen neuen Vertrag mit Mieterhöhung schreiben möchte, bin ich verpflichtet dies zu unterschreiben?

    Und wenn ich den neuen Vertrag nicht unterschreibe, kann er mich direkt kündigen bzw. überhaupt kündigen? Und welche Miete muss ich dann zahlen?

    Grüße
    Raya

    • Mietrecht.org
      03.12.2020 - 08:36 Antworten

      Hallo Raya,

      Kauf bricht Miete nicht. Der alte Vertrag hat weiter bestand. Mieterhöhungen und Kündigungsmöglichkeiten richten sich nach den gesetzlichen Möglichkeiten.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Markus
    23.12.2020 - 16:46 Antworten

    Bei uns hat ein Vermieterwechsel (Erbe) statt gefunden. Unser neuer Vermieter hat uns einen neuen Mietvertrag vorgelegt mit einer erhöhten Miete 40%. Da uns der neue Vermieter mit der Aussage das seine Tochter einziehen will eingeschüchtert hat haben wir leider den neuen Mietvertrag mit der Erhöhung unterschrieben. Nachdem wir uns über die Preise im Umfeld erkundigten haben wir schriftlich Widerspruch bei unserem neuen Vermieter eingelegt. Ist dieser Widerspruch rechtsgültig?

    Grüße
    Markus

  • Sebastian
    29.12.2020 - 16:09 Antworten

    Bei mir hat ein Eigentümerwechsel statt gefunden. Der neue Vermieter möchte einen neuen Mietvertrag aufsetzen da er Kleinigkeiten ergänzen möchte. Nun meine Frage, da ich schon 7Jahre hier wohne, wenn in der Änderung der alte mietbeginn mit eingetragen ist. Zählt dieser dann oder da wo es unterschriebeb bzw geändert wurde? Mit freundlichen Grüßen

    • Mietrecht.org
      29.12.2020 - 19:23 Antworten

      Hallo Sebastian,

      bitten Sie den Vermieter um einen Nachtrag und schließen Sie keinen neuen Vertrag ab.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Emmi
    04.01.2021 - 09:23 Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Ihre Seite ist wohl seit dem 18.12.2016 online. Ist es noch niemandem aufgefallen, dass bereits im ersten Absatz mehrere Fehler versteckt? sind?

    1.) Die Entscheidung einen neuenEin Vermieterwechsel
    2) Verkauf des <> oder
    3) Auf welche Punkte zu <> ist,

    Vielleicht bei Gelegenheit mal ändern, könnte der Vertrauenswürdigkeit der Seite dienen.

    mfg Emmi

    • Mietrecht.org
      04.01.2021 - 16:56 Antworten

      Hallo Emmi,

      danke für das Feedback, ist korrigiert.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

  • Markus Schröder
    17.04.2021 - 21:08 Antworten

    Hallo,
    Folgenden Interessenten Fall möchte ich hier gern schildern.
    Ich habe ein 3 Familien Haus 2019 erworben. Da der ehemalige Eigentümer sehr streng war, bestanden teilweise sehr eigenwilligen Mietverträge. Auf Wunsch der Mieter im 1. OG die seit 2010 in der Wohnung wohnten wurde ein neuer zeitgemäßer Mietvertrag geschlossen. In diesem wurden alle Rechte aus der langen Mietzeit übernommen. 2020 trennten sich das Paar und die Frau zog aus. Der Mann wollte nun einen eigenen neuen Mietvertrag, den ich ihm auch gab. In diesem Vertrag waren keine Übernahmen alter Rechte enthalten.
    Nun würde ich gern in die Wohnung einziehen da ich eine Arbeit in der Nähe bekommen habe.
    Wie lange ist nun die Kündigungsfrist. Ich dachte 3 Monate? Er schreibt mir es wären 9 Monate?
    Ich würde mich über ein Kommentar freuen.

  • Dieter Mirowsky
    31.05.2021 - 10:29 Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wir haben unser Haus vor 6 Jahren an ein unverheiratetes Paar vermietet, beide haben den Mietvertrag unterschrieben. Nach der Trennung vor zwei Jahren haben sie den gemeinschaftlichen Mietvertrag fristgerecht gekündigt und wir haben mit der Mieterin einen neuen Vertrag abgeschlossen. Jetzt wollen wir auf Eigenbedarf kündigen. Zählt die Wohndauer von 6 Jahren für die Mieterin oder sind für die Kündigungsfrist nur die zwei Jahre des neuen Vertrags ausschlaggebend?
    Grüße und vielen Dank!
    Dieter

  • Kevin
    20.07.2021 - 16:13 Antworten

    Guten Tag,

    bei mir hat auch vor einiger Zeit ein Vermieterwechsel stattgefunden. Es wurde kein neuer Vertrag gemacht. Nun möchte ich die Wohnung kündigen. Von dem neuen Vermieter habe ich keine Anschrift. Schicke ich die Kündigung an den alten Vermieter, der im Vertrag steht oder an den neuen (wenn ich an die Adresse komme)?
    Vielen Dank!

    Gruß

    • Mietrecht.org
      21.07.2021 - 13:34 Antworten

      Hallo Kevin,

      die müssen sich an Ihren aktuellen Vermieter wenden.

      Viele Grüße

      Dennis Hundt

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.