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Wieviel Wohnungsschlüssel muss der Mieter erhalten?

Es fehlen nur noch die Wohnungsschlüssel und dem Einzug in die neue Wohnung steht nichts mehr entgegen! So, geht es vielen Mietern in der Umzugsphase. Hat man die Wohnungsschlüssel in der Hand gilt die neue Wohnung als übergeben und man kann einziehen. Doch, wieviel Wohnungsschlüssel muss man eigentlich als Mieter bekommen?

Reicht es, wenn der Mieter einen Wohnungsschlüssel bekommt? Kann man auch Ersatz und Zweitschlüssel verlangen? Darf der Vermieter Schlüssel behalten? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

I. Grundsatz: Pro Person ein Wohnungsschlüssel

Damit man als Mieter die Wohnung auch nutzen kann, braucht man eine ausreichende Anzahl von Schlüsseln. Nach dem Landgericht Berlin heißt das: Mindestens ein Wohnungsschlüssel pro Bewohner ist dem Mieter bei der Wohnungsübergabe zur Verfügung zu stellen (Landgericht Berlin, Beschluss vom 20.06.1985, Az.: 61 T 32/85).

Das bedeutet, die Frage, wie viele Wohnungsschlüssel der Vermieter an den Mieter überreichen muss, richtet sich nach der Anzahl der Benutzer der Mietwohnung: Ziehen zum Beispiel zwei Personen ein, bekommt der Mieter zwei Schlüssel. Bei einer vierköpfigen Familie kann – je nach Alter der Kinder – ein Anspruch auf vier Wohnungsschlüssel. Außerdem hat man als Mieter die gleiche Anzahl an Schlüsseln für andere Zugangstüren des Wohnhauses zu erhalten, also z.B. für die Haustür oder einen Nebeneingang.

Nebenbei bemerkt, ist der Zeitpunkt der Übergabe der Wohnungsschlüssel immer der gleiche Zeitpunkt wie die Wohnungsübergabe, denn ohne Schlüssel kann der Mieter die Wohnung nicht in Besitz nehmen und nicht nutzen. Vereinbarungen bei denen der Mieter den Wohnungsschlüssel erst nach Mietbeginn oder sogar erst nach der Kautionszahlung erhalten soll, sind regelmäßig unwirksam. Warm das nicht geht erklärt dieser Beitrag hier: Schlüssel für Mietwohnung erst nach Kautionszahlung?

II. Recht auf Zweitschlüssel

Mieter haben ein Recht auf einen oder mehrere Zweitschlüssel. Der Grund ist, dass Mieter zum Beispiel die Möglichkeit haben müssen, einen „Notfallschlüssel“ bei einer Vertrauensperson zu hinterlegen (Landgericht Berlin, Beschluss vom 20.06.1985, Az.: 61 T 32/85).

Mietet man alleine eine Wohnung kann man also mindestens zwei Schlüssel verlangen. Im Mietvertrag kann auch nichts anderes vereinbart werden. Findet sich eine solche Klausel, nach der zum Beispiel nur „jeder polizeilich gemeldete Bewohner einer Wohnung einen Haustürschlüssel erhält“, das unwirksam (AG Schöneberg, Urteil vom 09. Oktober 1990, Az.: 103 C 406/90). Außerdem muss der Mieter Zusatzschlüssel für Pflegepersonal, Putzfrau oder eine Tagesmutter bekommen, wenn er den Vermieter danach fragt. Nach dem Amtsgericht Mainz hat der Mieter gegen den Vermieter sogar einen Anspruch auf Überlassung zusätzlicher Haustürschlüssel für den Briefzusteller und den Zeitungsboten, wenn der Briefkasten im Hausflur angebracht ist und eine Briefkastenanlage im Außenbereich fehlt (AG Mainz, Urteil vom 03. Juli 2007, Az.: 80 C 96/07). Der Vermieter kann in einem solchen Fall allerdings verlangen, dass ihm die Personen namentlich benannt werden, für die die Schlüssel bestimmt sind. Weitere Beispiele finden Sie in dem Artikel: Hat der Mieter das Recht auf einen Zweitschlüssel oder Drittschlüssel?

Alle Kosten, die für die Anfertigung von zusätzlichen Zweit- oder Zusatzschlüsseln anfallen, muss der Vermieter übernehmen. Dafür muss der Mieter aber auch all diese Schlüssel bei Mietende wieder herausgeben. Was sonst noch für die Rückgabe der Wohnungsschlüssel wichtig ist, finden Sie hier: Schlüsselübergabe vor Mietende – Was beachten?

III. Welche Schlüssel muss der Mieter beim Einzug bekommen?

Neben dem Wohnungsschlüssel, hat der Mieter Anspruch auf alle Schlüssel die er braucht um zu seiner Wohnungstür zu kommen. Daneben muss er natürlich auch alle Schlüssel zu den mitvermieteten Räumen, Gemeinschaftsräumen und Anlagen erhalten. Dazu zählen zum Beispiel die Schlüssel für den Keller, die Waschküche, den Fahrradabstellraum, den Briefkasten, die Garage usw. – allerdings gibt es hier keinen Anspruch auf einen Zweitschlüssel. Es bleibt aber dem Mieter überlassen, einen auf eigene Kosten nachzumachen (dazu mehr im nächsten Abschnitt).

IV. Zu wenig Wohnungsschlüssel: Schloss austauschen oder Schlüssel nachmachen?

Hat man bei der Wohnungsübergabe nicht ausreichend viele Wohnungsschlüssel bekommen, stellt sich die Frage, was der Mieter tun kann: Als erstes kann selbstverständlich versucht werden, von dem neuen Vermieter weitere Schlüssel zu kriegen. Soweit man einen begründeten Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Schlüsseln hat, lässt sich das sogar einklagen.

Alternativ ist zu überlegen, ob man nicht auf eigene Faust Wohnungsschlüssel und Co. nachmachen lässt. Solange es sich nicht um Schlüssel für eine Schließanlage handelt geht das auch ohne Berechtigungsschein vom Vermieter: Wohnungsschlüssel nachmachen – Wer darf es und wer bezahlt?Wichtig ist aber, dass bei Auszug alle Schlüssel – einschließlich der Kopien an den Vermieter herauszugeben sind. Nur bei selbstbezahlten nachgemachten Schlüsseln hat man die Möglichkeit die Herausgabe zu verweigern – man muss die Schlüssel dann aber nachweisbar (!) vernichten.

Letztlich kann man sogar das Schloss zu seiner Mietwohnung austauschen. Zum Beispiel in dem Fall, dass der Vermieter erklärt, er habe nur einen Schlüssel. Das Recht zum Schlossaustausch ergibt sich für den Mieter direkt aus seinem Recht zum Gebrauch der Mietsache (§ 535 BGB). Er muss den Vermieter auch nicht fragen. Allerdings muss das alte Schloss beim Auszug wieder rein, da die Mietwohnung grundsätzlich in dem Zustand wieder zurückgegeben werden muss, wie man sei bekommen hat. Das Türschloss zählt als Einrichtung der Mietwohnung.

Die Kosten die in beiden Fällen für den Mieter anfallen, kann er unter bestimmten Voraussetzungen vom Vermieter verlangen: Entscheidend ist, dass der Vermieter sozusagen „die Schuld dafür trägt“, dass der Mieter Schlüssel nachmachen lässt oder das Schloss austauscht. Beim Nachmachen von Schlüsseln ist das etwa der Fall, wenn der Vermieter dem Mieter die Anzahl von Wohnungsschlüsseln nicht geben will, die ihm zustehen und der Mieter ihn dazu bereits erfolglos aufgefordert hat. Beim Schlossaustausch darf der Mieter dem Vermieter die Kosten in Rechnung stellen, wenn der Vermieter einen Schlüssel „für alle Fälle“ behält, ohne dass der Mieter damit einverstanden ist (AG Köln, Az. 217 C 483/93).Mehr dazu, was Sie als Mieter tun können, wenn sich ihr Vermieter einen Schlüssel vorbehält finden Sie in diesem Beitrag: Vermieter behält Schlüssel ein – Welche Rechte haben Mieter?

Mehr zum Thema Schlossaustausch lesen Sie hier: Türschloss bei Mietwohnung austauschen – Wer trägt die Kosten?

V. Zusammenfassung

Zur Wohnungsübergabe muss der Mieter vom Vermieter ausreichend viele Wohnungsschlüssel, mit Zweitschlüsseln erhalten. Darauf hat der Mieter einen einklagbaren Anspruch. Außerdem hat der Vermieter auch Schlüssel für sonstige mitvermietete Räume oder Zugänge zur Wohnung des Mieters zu erhalten. In dem Fall, dass der Vermieter extra neue Schlüssel nachmachen muss, damit er seine Pflicht erfüllen kann, dem Mieter genügend Wohnungsschlüssel zu geben, kann er die Kosten nicht auf den Mieter umlegen.

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