Go to Top

Heizkostenabrechnung: Wann und wie werden Gradtagszahlen genutzt?

In so manch einer Nebenkostenabrechnung ist er schon aufgetaucht: der Begriff der Gradtagszahlen oder der Gradtagszahltabelle. Doch was steckt dahinter? Wann und wie spielen Gradtagszahlen denn eine Rolle und wie werden Sie genutzt?

Zum Verständnis, woher der Begriff der Gradtagszahlen kommt ist schon ein Blick in die Richtlinie VDI 2067 ausreichend, denn dort werden verschiedene standardisierte Berechnungen der Wirtschaftlichkeit von gebäudetechnischen Anlagen (GTA) aufgezeigt und die Gradtagszahl ist ein wichtiger Nenner in eben solchen.

Die Gradtagszahl, auch GTZ abgekürzt, dient als Maßeinheit für den Wärmebedarf eines Gebäudes in der Heizperiode und wird daher zur Messung des Zusammenhangs zwischen der gewünschten Raumtemperatur und der durchschnittlichen Außenlufttemperatur herangezogen. So können zum Beispiel Temperaturschwankungen und sogar ein Temperaturabfall bei der Heizungsanlage bestimmt werden.

Im nachfolgenden Artikel wird erklärt, was Sie als Mieter und Vermieter zu dem Thema Gradtagszahlen wissen sollten und wie Sie eine Gradtagszahltabelle nutzen.

I. Berechnung der Gradtagszahl

Die Berechnung der Gradtagszahl erfolgt nach unterschiedlichen Methoden, je nach dem zu welchem Zweck die Gradtagszahl benötigt wird und ist regelmäßig die Summe aus einem angenommenen GTZ-Sockelbetrag von 2 und der Differenz aus der durchschnittlichen Rauminnentemperatur von 20°C und der jeweiligen durchschnittlichen Tagesaußentemperatur.

Die Details der unterschiedlichen Berechnungsmethoden sind für die Mietparteien in der Regel uninteressant, da bei den mietrechtlich relevanten Gradtagszahlberechnungen die sogenannte Gradtagszahltabelle (s.u.) herangezogen wird.

II. Wann ist die Gradtagszahl im Mietrecht entscheidend?

Die Gradtagszahl ist im Mietrecht immer dann entscheidend, wenn ein bestimmter Heizbedarf beziehungsweise eine bestimmte Heizleistung festgestellt werden soll.

So zum Beispiel bei:

  • einem Mieterwechsel in dem laufenden Abrechnungszeitraum ist es grundsätzlich schwierig die genau angefallenen Heizkosten des einen und des anderen Mieters zu berechnen. Um hier eine Abrechnungsgerechtigkeit bei der Kostenaufteilung zu gewährleisten ist es i in § 9b Abs. 2 HeizkostenV vorgeschrieben, das ein Teil der Heizkosten (der verbrauchsunabhängige Teil / auch als Grundkosten in der Heizkostenabrechnung bezeichnet) immer nach der sogenannten Gradtagszahltabelle auf die anteilige Mietzeit umgerechnet werden. Dies wird auch die Gradtagszahlmethode genannt. Für die Umrechnung nach der Gradtagszahltabelle teilt man den tatsächlichen Heizkostenverbrauch für die zwölf Monate des Abrechnungszeitraums durch 1000 Gradtagszahlen. Das Ergebnis wird im Anschluss mit der Summe der Gradtagszahlen für den Mietzeitraum multipliziert. Ein Beispiel zu dieser Berechnungsmethode finden Sie unter IV.
  • Mietminderungen wegen einem Heizungsausfall. Die Minderungsquote bei einer Heizminderleistung oder einem Heizungsausfall pro Monat und Tag kann unter Berücksichtigung der Gradtagszahltabelle bestimmt werden; Lützenkirchen, Mietrecht, 2. Aufl. 2015, § 536 BGB, Rn. 292. Dies ergibt sich daraus, dass die Gradtagszahltabelle die Verteilung der Heizleistung in den einzelnen Monaten darstellt und sich somit im Umkehrschluss auch bei einem Heizungsausfall der Grad der Gebrauchsbeeinträchtigung in einzelnen Monaten verhältnismäßig feststellen lässt (vgl. AG Dortmund, Urteil vom 19. November 2013, Az.: 425 C 5019/12)

III. Wie erfolgt die Nutzung der Gradtagszahltabelle 2016

Die Gradtagzahltabelle wurde aus durchschnittlichen Grad-Tags-zahlwerten (aus ganz Deutschland) ermittelt und gibt anteilig den Heizbedarf nach GTZ, in den einzelnen Monaten und Tagen wieder. Die Summe der Anteile ergibt 1000 Gradtagszahlen für zwölf Monate. Zu finden ist Sie in der DIN- Norm DIN 4713-5.

 

MonatGTZ-Anteile des Heizbedarfs pro MonatGTZ-Anteile des Heizbedarfs pro Tag
Januar170 Anteile170/31 = 5,48
Februar150 Anteile150/28 = 5,35
150/29 = 5,17
März130 Anteile130/31 = 4,19
April80 Anteile80/30 = 2,66
Mai40 Anteile40/31 = 1,29
Juni, Juli und August zusammen40 Anteile40/92 = 0,43
September30 Anteile30/30 = 1,00
Oktober80 Anteile80/31 = 2,58
November120 Anteile120/30 = 4,00
Dezember160 Anteile160/31 = 5,16

IV. Beispiel: Umrechnung der Kostenlast nach der Gradtagszahltabelle bei Mieterwechsel

Bei einem unterstellten Abrechnungszeitraum vom 01.01.2015 bis zum 31.12.2015 in einer Mietwohnung erfolgt zum 01.11. 2015 ein Mieterwechsel.

Mieter A bewohnte die Mietwohnung im Jahr 2015 somit vom 01.01-31.10. des Abrechnungszeitraums.

Mieter B bewohnte die Mietwohnung im Jahr 2015 somit vom 1.11.- 31.12. des Abrechnungszeitraums.

Bei einem Heizkostenverbrauch in Höhe von insgesamt 300,00 € für 2015 ergibt sich daher folgende Kostenverteilung aufgrund des Nutzerwechsels:

300,00 Euro : 1000 = 0,3 Euro

Mieter A Januar bis Oktober gibt= 720 Anteile x 0.3 = 216, 00 €

170 Anteile (Januar)
150 Anteile (Februar)
130 Anteile (März)
80 Anteile (April)
40 Anteile (Mai)
40 Anteile (Juni, Juli, August)
30 Anteile (September)
80 Anteile (Oktober)
Gesamt= 720 Anteile 

Mieter B von November bis Dezember= 280 Anteile x 0,3= 84,00

120 Anteile (November)
160 Anteile (Dezember)
Gesamt = 280 Anteile

Im Ergebnis hat Mieter A 216,00 € und Mieter B 84,00 € von den insgesamt angefallenen Kosten in Höhe von 300,00 € zu bezahlen.

2 Antworten auf "Heizkostenabrechnung: Wann und wie werden Gradtagszahlen genutzt?"

  • Hans-Dieter Feischen
    01.08.2016 - 17:45 Antworten

    Ein Winter kann im Schnitt sehr warm sein und ein Sommer kann recht viele kühle Tage haben, sodass geheizt werden muss. In solchen Fällen ist eine Gradtagtabelle ungenau. Im Zeichen des Klimawandels dürfte diese Abrechnungsmethode nicht mehr zulässig sein. Es müsse das Recht geschaffen werden, Monatsendwerte zu ermitteln. Nicht nur für Heizung, sondern auch für Wasser. Nur so kann ich auch Mieter von ihren Kosten überzeugen. Aber wer traut sich denn schon daran, etwas zu verändern. Hauptsache die Gebühren fliessen. Egal, wie sie entstehen.
    Mit freundlichen Grüssen

  • Christian D.
    08.11.2017 - 21:52 Antworten

    Sehr geehrte Damen und Herren
    sehr geehrter Herr Hundt,

    vielen Dank für Ihren unterstützenden o. a. Beitrag.
    Bitte gestatten Sie mir folgende Fragen:

    Das BGH-Urteil v. 16.11.2005 – VIII ZR 373/04 sieht vor:
    ‚Ist eine Vergleichsberechnung nach § 9 a Abs. 1 HeizkV nicht möglich, weil die hierfür erforderlichen Daten nicht zur Verfügung stehen, so kann der anteilige Verbrauch ausnahmsweise im Wege der Gradtagszahlmethode ermittelt werden.‘

    Wie würde die Berechnung für eine Wohnung aussehen, die sich in einem Mehrfamilienhaus (5 Parteien) befindet, in der das alte Messgerät ausgefallen ist und nur z.B. für die Monate Nov und Dez Werte vorliegen?

    Könnte man es sich so einfach machen, das man für die zwei Monate den Verbrauchswert abliest, durch die Summe GTZ der Monate Nov und Dez teilt und dann mit 1000 multipliziert
    (x MWh : 280 * 1000=geschätzter Jahresverbrauch)?

    Würde mich freuen, wenn ich eine Antwort bekommen würde; hierfür im Voraus meinen Dank.

    MfG Christian D.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.