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Kaninchen und Hasen als Haustiere in Mietwohnung – erlaubt?

Kaninchen, Hasen, Zwergkaninchen, Hamster und Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten Haustieren in deutschen Mietwohnungen. Aber, ist die Haltung auch erlaubnisfrei? Zwar gehören all diese kleinen Fellnasen, zu der Gattung Kleintiere, aber die unterschiedlichen Haltungstypen variieren von der Käfighaltung bis hin zu Kleingehegen mit Freilauf im Wohnzimmer. Immer öfter werden die kleinen Nager auch auf dem Balkon oder in einem Hasenstall im Gemeinschaftsgarten gehalten.

Ab wann der Vermieter um Erlaubnis zu fragen ist, wird daher in vielen Ratgebern sehr ungenau beantwortet, denn die Erlaubnisfreiheit richtet sich nach der Größe des Tieres. Entscheidend ist vielmehr die Art der Tierhaltung und daher kann auch für die Haltung eines Hasen oder Hamsters die Zustimmung des Vermieters erforderlich sein. Hier erfahren Sie, wann ein Vermieter auch die Haltung eines Kaninchens oder Hasen verbieten kann.

I. Wann ist die Haltung von Hasen und Kaninchen erlaubnisfrei?

Wie eingangs angeführt, ist es ein Irrtum anzunehmen, dass die Haltung von Hasen und Kaninchen immer ohne die Zustimmung des Vermieters erfolgen kann.

Grundsätzlich gilt aber eine erlaubnisfreie Kleintierhaltung. Danach ist die Haltung kleiner Haustiere, wie Fische, Ziervögel, Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen, Goldhamster, Zwergkaninchen, Schildkröten und ungefährlicher Schlangen, harmloser kleiner Echsen, in Aquarien, Terrarien oder Käfigen, sowie die Haltung von Chinchillas dem bestimmungsgemäßen Gebrauch einer Mietwohnung zuzuordnen und bedarf daher keiner Erlaubnis des Vermieters (BGH, Urteil vom 14. November 2007, Az.: VIII ZR 340/06; Emmerich/Sonnenschein in: Emmerich/Sonnenschein, Miete, 11. Aufl. 2014, § 535 Inhalt und Hauptpflichten des Mietvertrags, Rn. 28). Das Zusammenleben mit Tieren gehört nämlich grundsätzlich zu dem Kernbereich der freien Entfaltungsmöglichkeit des Einzelnen und darf nur bei entgegenstehenden Interessen eines anderen eingeschränkt werden (AG Aachen, Urteil vom 24. Februar 1989, Az.: 6 C 500/88).

Diese Kleintiere sind daher generell erlaubt, weil Sie regelmäßig in einer Art und Weise gehalten werden, durch die Beeinträchtigungen ihrer näheren oder weiteren Umgebung ausgeschlossen sind. Das bedeutet, Nachbarn oder Mitbewohner werden nicht gestört und das Eigentum des Vermieters (die Mietwohnung) nicht beschädigt.

Wichtig ist bei der Frage der Erlaubnis der Tierhaltung daher einzig die Schwelle, wann durch das jeweilige Tier Belästigungen, Störungen oder Substanzbeeinträchtigungen beim Eigentum auftreten können.

Bei Kaninchen und Hasen gibt es nahezu keinerlei Geräusche, weshalb etwaige Belästigungen insoweit nicht anzunehmen sind. Etwas Anderes ist aber der Geruch. Der Urin der Nagetiere kann besonders intensiv sein und Nachbarn beeinträchtigen. Dies kommt dann in Betracht, wenn die Tiere beispielsweise auf dem Balkon oder im Gemeinschaftsgarten gehalten werden und keine täglichen Reinigungen durch den Tierhalter stattfinden. Ebenso kann die Anzahl der Tiere zu erhöhtem Geruch führen. Erlaubnisfrei ist daher regelmäßig die artgerechte Haltung der Tiere in Käfigen oder Gehegen in der Wohnung in einer normalen Anzahl. Sobald jemand eine kleine Hasen- oder Kaninchenzucht hält und die Mietwohnung insoweit zweckentfremdet ist dies nicht erlaubnisfrei (AG Menden, Urteil vom 05. Februar 2014, Az.: 4 C 286/13). Einer Zustimmung bedarf der Mieter auch bei der Errichtung eines Stalles oder Freigeheges auf gemeinschaftlich genutzten Flächen

In der Rechtsprechung zum Thema Hasen und Kaninchen als
Haustiere in der Mietwohnung haben zum Beispiel das Landgericht Stuttgart und das Amtsgericht Ludwigsburg bereits wie folgt entschieden: „Die Haltung dreier Hasen und eines Meerschweinchens hält sich noch im Rahmen des sozial üblichen Bewohnens im Sinne des § 13 Abs. 1 WEG, sofern die Tiere in einem ordentlichen Stall im Zimmer gehalten werden. Die Haltung dieser Tiere kann daher nicht durch einen Mehrheitsbeschluss der Wohnungseigentümer untersagt werden“ (zitiert LG Stuttgart, Beschluss vom 19. Dezember 2011, Az.: 2 S 21/11; AG Ludwigsburg, Urteil vom 16. März 2011, Az.: 20 C 2906/10).

Weitere Einzelheiten zum Thema Tierhaltung in der Mietwohnung finden Sie auch in den Beiträgen: „Tierhaltung in der Mietwohnung- Was müssen Mieter und Vermieter wissen?“ und „Haustiere des Mieters: Ein Ratgeber für Mieter und Vermieter„.

II. Kann der Vermieter wegen der Hasen/ Kaninchen Zutritt zur Mietwohnung verlangen?

Meist beschweren sich die Nachbarn oder andere Hausbewohner über die Störungen durch die Kaninchen, Hasen oder sonstige Haustiere. Sobald wegen der Vermieter wegen einer – wenn auch nur vermeintlichen- Beeinträchtigung benachrichtigt wird, ist es seine Pflicht den Sachverhalt zu prüfen und bei positiver Feststellung Abhilfe zu schaffen, da ihm sonst Minderungsansprüche drohen können. Die Darlegungs- und Beweislast, ob von den streitigen Kaninchen oder Hasen tatsächlich Störungen ausgehen trägt der Vermieter. Der Mieter muss dem Vermieter daher eine Überprüfung Gestatten und dem Vermieter Zutritt gewähren. Nützlich ist es, wenn man sich als Mieter einen objektiven Dritten zu der Besichtigung hinzuzieht. Welche Grenzen gelten dabei für Ihren Vermieter? Lesen Sie hierzu „Wohnungsbesichtigung durch den Vermieter – Was muss der Mieter dulden und was nicht?„.

III. Kündigung wegen der Haltung von Hase oder Kaninchen?

Die Androhung einer Kündigung des Mietverhältnisses wegen unerlaubter Kaninchen oder Hasen in der Mietwohnung steht regelmäßig auf wackeligen Beinen, da die Haltung in der Regel ohne Zustimmung erfolgen kann (dazu unter I.). Auch kann keine sofortige Abschaffung der Tiere gefordert werden. Die (fristlose) Kündigung wegen Tierhaltung bedarf immer eines besonderen Grundes, wie Sie detailliert in dem Beitrag: „Kündigung wegen Tierhaltung in Mietwohnung möglich?“ nachlesen können. Hat der Vermieter nachweisbar erhebliche Gründe, wie starke unzumutbare Geruchsbelästigung, Zerstörung und Verwahrlosung der Mietwohnung durch viele freilaufende Tiere oder gefährdende Allergiereaktionen eines Hausbewohners kann in einem Einzelfall ein Anspruch auf Entfernung der Tiere bestehen. Bei Hamstern oder Kaninchen, die in der Regel ohne Störungen erlaubnisfrei in der Mietwohnung gehalten werden können ist dies allerdings höchst unwahrscheinlich.

Eine Antwort auf "Kaninchen und Hasen als Haustiere in Mietwohnung – erlaubt?"

  • Sascha Kazmierczak und Andrea Heyer
    20.04.2017 - 21:30 Antworten

    Vermieter will uns wegen 2 Zwergkaninchen die Wohnung kündigen – bitte um Unterstützung!
    Hallo, an alle Kaninchenfreunde. Wir haben uns vor knapp 2 Monaten endlichen den Wunsch nach 2 Zwergkaninchen ( Mike & Molly ) erfüllt. Um artgerecht und wohnungsschützend zu sein, habe ich in einem bislang leeren Zimmer in unserer Wohnung mit Trittschalldämmung und Laminat einen neuen Boden geschaffen, damit der originale Laminatboden nicht beschädigt wird. Wir haben dann einen 1m hohen Welpenzaun als Umrandung genommen, diesen zur Wand hin noch einmal mit einem Weidenzaun geschützt, damit auch die Tapete nichts abbekommt. Es sind knapp 6qm Fläche in unserer über 100 qm grossen Wohnung. Jetzt hat uns unser Vermieter erst verbal gekündigt. Das konnten wir noch ab, weil es einfach keine rechtliche Relevanz hat. Aber gestern haben wir von ihnen eine schriftliche Abmahnung erhalten mit der Aufforderung bis zum 30.4.2017 ‚die Entfernung der Kaninchen und des Großkäfigs‘ vorzunehmen. Gründe: wir nutzen die Wohnung jetzt nicht mehr zum Wohnzweck und die Tierhaltung umfasst im Mietvertrag nur Zierfische und Vögel. Dies ist falsch, da eindeutig von ‚Kleintieren‘ geschrieben steht. Wie können/müssen wir nun rechtlich korrekt antworten bzw. an wen müssen wir uns wenden, um einer fristlosen Kündigung am 30.04.2017 ( also nächste Woche Sonntag ) entgegenzuwirken? Wir habe keine Rechtschutzversicherung. Gibt es hier einen Anwalt, der uns unterstützen kann? Ich habe schon ein Schreiben verfasst, würde die gesamte Situation aber gern am Wochenende noch einmal abklären. Gern kann ich dazu als PN oder via E-Mail die entsprechenden Dokumente zukommen lassen. Ich hoffe, dass wir hier tatkräftige Unterstützung für unsere Zwergkaninchen Mike & Molly und uns ( Andrea & Sascha ) in dieser für uns doch sehr schwierigen Situation finden! Vielen Dank im Voraus!!!

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