Go to Top

(Wann) Hat der Mieter Anspruch auf neuen Teppichboden / neues Laminat?

Ist der Teppichboden alt oder das Laminat schon sichtlich abgenutzt, wünschen sich Mieter oft einen neuen Fußbodenbelag in der Mietwohnung. Aber wann kann ein Mieter die Erneuerung des Fußbodens verlangen? Nach der Rechtsprechung gibt es für Mieter immer dann einen Anspruch auf die Verlegung eines neuen Teppichs oder Laminatboden, wenn der alte „abgewohnt“ ist. Doch was heißt „abgewohnt“? Muss ein bestimmtes Mindestalter beim Teppich bzw. dem Laminat vorliegen? Reicht es, dass sich der Bodenbelag in der Mietwohnung ganz allgemein in schlechtem Zustand befindet? Wer trägt die Kosten, wenn man einfach selbst einen neuen Teppich verlegt?

Der nachfolgende Artikel erklärt für Vermieter und Mieter, wann ein Anspruch auf einen neuen Teppich oder neues Laminat besteht und welche Voraussetzungen dafür vorliegen müssen.

I. Erneuerung von Teppich, Laminat und Parkett ist Vermietersache

Grundsätzlich ist die Instandhaltung und Renovierung der Mietwohnung immer Sache des Vermieters. Das Gesetz spricht nämlich ausdrücklich von der Pflicht des Vermieters die Mietwohnung in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu erhalten, § 535 Abs. 1 BGB. Der Vermieter ist daher dazu verpflichtet, die Bestandteile der Mietwohnung, wie eben die Fußböden zu erneuern, wenn das notwendig ist (Amtsgericht Erfurt, Urteil vom 05.09.2008, Az.: 2 C 1306/07).

1. Abgewohnter Teppich bzw. Laminat ist auszutauschen

Ein „abgewohnter“ Teppich- oder Laminatboden ist durch einen neuen Bodenbelag vom Vermieter zu ersetzen. Wann ein Boden „abgewohnt“ ist, entscheidet sich in erster Linie nach seiner allgemeinen Lebens- bzw. Nutzungsdauer: Bei einem Laminat oder Teppichboden von durchschnittlicher Qualität nimmt man eine ungefähre Lebensdauer von 10 Jahren an (Amtsgericht Steinfurt, Urteil vom 30. November 2006, Az.: 4 C 168/05). Für Parkett können zwischen 40 und 48 Jahren Lebensdauer angenommen werden, da es bis zur kompletten Erneuerung bis zu vier Mal neu abgeschliffen und versiegelt werden kann. Eine Neuversiegelung hat eine ungefähre Nutzungsdauer von 10 bis 12 Jahren (vgl. dazu Amtsgericht Steinfurt, Urteil vom 30. November 2006, Az.: 4 C 168/05).

Die Nutzungsdauer eines Bodenbelags ist allerdings ein allgemeiner Richtwert. Man geht dabei immer davon aus, wann ein Teppich oder das Laminat, bei einer normalen vertragsgemäßen Wohnnutzung durchschnittlich abgewohnt wäre. Im Einzelfall kann die Lebensdauer natürlich immer kürzer oder länger sein. Das bedeutet, der Mieter hat nicht automatisch ein Anspruch auf einen neuen Teppich oder neues Laminat, nur weil die Nutzungsdauer seit der Verlegung abgelaufen ist.

Wichtig ist an dieser Stelle auch, dass der Mieter keinen Anspruch auf einen neuen Bodenbelag auf Kosten des Vermieters hat, wenn die Mietwohnung z.B. bereits ohne Teppich vermietet wurde. Die Verpflichtung zur Erneuerung des Teppich­ oder Laminatbodens kann sich also nur auf solche Mietverhältnisse erstrecken, bei denen der Teppich oder das Laminat auch „mitgemietet“ wurde.

2. Recht auf Austausch eines gleichartigen Bodenbelags

Wird der alte Teppichboden entfernt, dann darf auch nur wieder ein neuer Teppich rein. Mieter haben also keinen Anspruch vom Vermieter zu verlangen, dass anstelle des alten Teppichbodens nun Laminat verlegt wird. Man kann sich aber selbstverständlich mit dem Vermieter einigen, wenn man als Mieter einen anderen Fußboden möchte. Vermieter können z.B. ihre Zustimmung davon abhängig machen, ob der Mieter bereit ist die Mehrkosten für einen anderen Fußboden oder einen von besserer Qualität zu tragen.

Umgekehrt gilt dasselbe: Der Vermieter darf nicht einfach den Teppichboden durch einen Laminatboden ersetzen. Die Instandhaltungspflicht des Vermieters bezieht sich nämlich darauf, den ursprünglichen Zustand zu erhalten bzw. wiederherzustellen (Landgericht Stuttgart, Urteil vom 01.07.2015, Az.: 13 S 154/14). Wenn er nun den alten Teppichs durch Laminat austauscht, verändert sich aber der ursprüngliche Zustand da ein komplett unterschiedlicher Bodenbelag verlegt wird. Der Vermieter macht damit keine Erhaltungsmaßnahme, sondern eine Modernisierung nach § 555 c BGB, die dem Mieter außerdem formell anzukündigen sei (Landgericht Stuttgart, Urteil vom 01.07.2015, Az.: 13 S 154/14 und Amtsgericht Dresden, Urteil vom 02.10.2008, Az.: 145 C 5372/08). Das bedeutet, der Vermieter kann nicht einfach eigenmächtig einen andersartigen Bodenbelag verlegen, wenn der alte raus muss. Der Mieter hat einen Anspruch auf den Austausch eines gleichartigen Fußbodens.

Was Vermieter beachten müssen, wenn Sie einen anderen Bodenbelag verlegen wollen und die Wohnung dadurch modernisieren erfahren sie hier: Modernisierung und Abgrenzung: Modernisierung + Instandsetzung und die Kostenverteilung

Vermieter haben dann übrigens auch ein Recht auf eine Mieterhöhung: Checkliste: Mieterhöhung nach Modernisierung (§ 559 BGB)

3. Anspruch auf neuen Teppich bzw. neues Laminat bei Schäden?

Unabhängig von der Lebensdauer eines Fußbodens, kann auch der schlechte Zustand dazu führen, dass Teppich, Laminat und Co. auszutauschen sind. Leichte Beschädigung wie z.B. Kratzer, Flecken oder kleine Löcher reichen allerdings nicht für einen Anspruch auf einen Austausch. Die Nutzung muss vielmehr unzumutbar oder zumindest nur mit Beeinträchtigungen möglich sein. So z.B., wenn das Laminat nach einem Wasserschaden aufgequollen ist und teilweise nicht mehr nutzbar ist.

Für die Kosten des Austauschs ist dann entscheidend, wer für den Schaden verantwortlich ist. Handelt es sich um normale Abnutzungsschäden, Schäden durch Dritte oder eine unsachgemäße Verlegung ist der Vermieter in der Pflicht, der sich dann im Fall von Schäden durch Dritte wegen seiner Forderungen an diese wenden muss. Typische Beispiele sind dafür der Wasserschaden wegen Rohrbruchs im Mauerwerk oder die ausgelaufene Waschmaschine des Nachbarn. Ist der Mieter selbst für die Beschädigungen im Fußboden verantwortlich, hat er die Kosten für den neuen Fußboden zu tragen. Mehr dazu wie solche Schäden abgewickelt werden, können Sie hier nachlesen: Schäden an Teppich, Laminat oder Parkett bei der Wohnungsabnahme – Was tun?

II. Weigerung des Vermieters: Miete mindern wegen altem Teppich oder abgewohntem Laminat?

Wenn der Vermieter sich weigert einen neuen Teppich oder neues Laminat zu verlegen, obwohl der Mieter darauf einen Anspruch hat, stellt sich die Frage was zu tun ist. Des beste Weg für Mieter ist in einem solchen Fall immer die Mietminderung.

Bei einem beschädigten oder abgewohnten Fußboden in der Mietwohnung handelt es sich nämlich um einen Mangel. Deshalb kann der Mieter seine Miete kürzen, wenn der Vermieter den Mangel nicht beseitigen will, in dem er z.B. einen neuen Teppich oder neues Laminat verlegt. Die Höhe der zulässigen Mietminderung kommt dann auf den Einzelfall an. Je nachdem in welchem Zustand der Boden ist und inwieweit der Mieter dadurch beeinträchtigt ist, ist die Minderungsquote höher oder niedriger. Wichtig ist für Mieter, dass Sie dem Vermieter die Mietminderung und den Grund ankündigen.

Gewarnt sei an dieser Stelle davor, einfach selbst die Arbeiten vorzunehmen, wenn der Vermieter sich weigert den alten Teppich oder das Laminat auszutauschen. Es gibt zwar im Mietrecht für Mieter den Anspruch auf Aufwendungsersatz nach § 536a Abs. 2 BGB, wenn der Vermieter mit der Beseitigung eines Mangels in Verzug ist – allerdings müssen dafür bestimmte rechtliche Voraussetzungen vorliegen! Vergessen Mieter hier z.B. die Frist richtig zu setzten, riskieren Sie auf den Kosten sitzen zu bleiben. Mehr zu den Voraussetzungen, wenn Sie einen Mangel selbst beseitigen wollen, erfahren Sie u.a. hier: Mieter beauftragt Handwerker – Wer zahlt die Rechnung?

III. Mieter verlegt neuen Boden

Will der Mieter selbst einen neuen Teppich oder Laminat verlegen, geht das grds. nur mit ausdrücklichem Einverständnis des Vermieters. Der Austausch des Bodenbelag ist nämlich eine bauliche Veränderung in der Mietwohnung, die nicht ohne weiteres zulässig ist. Außerdem sollte immer geklärt werden, was mit den Einbauten bzw. Umbauten nach Auszug passiert. Ausführliche Informationen erhalten Sie hier: Umbauten und Einbauten durch Mieter – Was beachten?

IV. Fazit

Mieter haben unter den genannten Umständen einen Anspruch darauf einen neuen Teppich oder ein neues Laminat zu bekommen. Maßgeblich ist der Zustand und das Alter des bisherigen Fußbodens. Weigern sich Vermieter zu Unrecht einen neuen Teppich-, Laminat- oder Parkettboden zu verlegen kann der Mieter die Miete in einem angemessenen Umfang mindern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.